Der Yen fällt erneut unter das Allzeittief, das Finanzministerium seufzt machtlos
Morning FX
Wie erwartet ist der Yen-Kurs kontinuierlich unter die Marke von 162 gefallen und hat damit ein 40-Jahres-Tief erreicht. Seit der Unterzeichnung des Plaza-Abkommens im Jahr 1985 ist der Yen nie so stark abgewertet worden.
Traditionelle Wechselkursfaktoren funktionieren nicht mehr, was die Intervention des Finanzministeriums zunehmend erschwert. Weder aus Sicht der nominalen oder realen Zinsdifferenz, noch aus der internationalen Zahlungsbilanz lässt sich die Schwäche des Yen erklären. Strukturelle Verkaufsströme zwingen Japan dazu, das gesamte Wechselkurssystem zu überdenken.
Abbildung: Yen auf 40-Jahres-Tief
I. Die Abschreckungskraft der Intervention nimmt immer mehr ab
Die letzte Intervention des Finanzministeriums fand Ende April statt, wobei etwa 10 Billionen Yen (63 Milliarden US-Dollar) eingesetzt wurden, um den USDJPY-Kurs von 160 auf ein Minimum von 155 zu drücken. Doch kaum ein Monat später wertete der Yen erneut ab.
Das Interventionsprinzip hat sich von der Geschwindigkeit der Volatilität (starke Abwertung in kurzer Zeit) hin zu festen Schwellenwerten verschoben. Die psychologische Marktmarke liegt bei 160, die tatsächliche Intervention erfolgte nach deren Überschreiten – schnell und in mehreren Schritten, um eine fortlaufende Abschreckungswirkung zu erzielen.
Beim erneuten Überschreiten der Marke von 160 erwartete der Markt eine weitere Intervention, doch sowohl das Finanzministerium als auch die Bank of Japan verhielten sich äußerst zurückhaltend und äußerten lediglich verbale Bedenken bezüglich des Wechselkurses. Wenn an einem festen Schwellenwert kein starkes Signal gesendet wird, wird der Markt die Grenze immer wieder herausfordern, das Vertrauen der Bären steigt allmählich und die Kosten für zukünftige Interventionen werden weiter steigen.
Abbildung: Angst vor Intervention schwindet
Die Preise für Yen-Risiko-Reversal-Optionen sanken nach beiden Überschreitungen der 160er-Marke deutlich, der Markt bepreiste vorübergehend ein Interventionsrisiko. Doch diese Panik ist inzwischen verschwunden, die RR-Preise haben sich normalisiert.
II. Das Versagen makroökonomischer Faktoren ist am fatalsten
Obwohl der Anstieg des USDJPY in dieser Runde durch die restriktivere Fed und die Rückkehr eines starken US-Dollar vorangetrieben wurde, können traditionelle Faktoren das Ausmaß der Abwertung nicht mehr erklären.
Betrachtet man die Zinsdifferenz zwischen den USA und Japan, so ist diese nach dem Zinshöhepunkt des US-Dollar im Jahr 2024 kontinuierlich gesunken. Die kurzfristige Zinsdifferenz ist von maximal 5 % auf derzeit 2,5 % gesunken; die Differenz bei zehnjährigen Anleihen ist sogar von 4 % auf 1,73 % gefallen. Während man die Abwertung im letzten Jahr noch auf eine sich ausweitende reale Zinsdifferenz schieben konnte, hat sich diese bei unterschiedlichen Inflationsraten in den USA und Japan im laufenden Jahr zugleich verengt.
Abbildung: Zinsdifferenzen können die Yen-Schwäche nicht erklären
Im ersten Quartal betrug der Leistungsbilanzüberschuss etwa 9,8 Billionen Yen, was ein deutlicher Anstieg im Jahresvergleich ist. Dennoch scheint der Wechselkurs ausschließlich von Kapitalabflüssen beeinflusst zu werden. Die Umtauschrate der Überschüsse im laufenden Geschäft ist extrem niedrig, die Verengung der Zinsdifferenz hat keinen Einfluss auf die starke Carry-Trading-Nachfrage und der Verkaufsdruck auf den Yen bleibt unverändert hoch.
Nach dem Versagen makroökonomischer Faktoren ist eine Intervention wie ein aussichtsloser Kampf, dem es zudem am passenden Umfeld (negative US-Daten) zur Umsetzung mangelt. Es bedarf ausreichender Stärke und Entschlossenheit, um die Abwertung des Yen zu verhindern.
III. Zusammenfassung
(1) Der Yen ist auf ein 40-Jahres-Tief gefallen, das nach dem Überschreiten der 160er-Marke keine Erholung findet und sich dem extremen Niveau nach dem Plaza-Abkommen nähert.
(2) Die derzeitige Schwäche des Yen lässt sich mit makroökonomischen Faktoren nicht mehr erklären; strukturelle Verkäufe machen die Intervention des Finanzministeriums zunehmend machtlos, doch ausreichende Abschreckung ist notwendig, um eine Abwärtsspirale zu vermeiden.
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