Künstliche Intelligenz lenkt den Fokus von Technologieinvestoren wieder auf die US-Notenbank
(1) In der Vergangenheit scherten sich sehr große Tech-Unternehmen aufgrund ihrer umfangreichen Barreserven wenig um Zinserhöhungen; solche Erhöhungen trafen meist eher kleinere Firmen. Doch heute, infolge massiver Investitionen in KI-Rechenzentren, erschöpfen diese einstigen „Cash-Cows“ ihre Reserven und verschulden sich stark, sodass sie inzwischen äußerst sensibel auf Kreditkosten reagieren. John Bokwa, Chief Investment Officer von One Point BFG Wealth Partners, erklärt, dass Tech-Investoren sich früher kaum für Zinssätze interessierten, jetzt aber plötzlich die Entwicklungen der Federal Reserve, Inflationsdaten und den US-Staatsanleihenmarkt im Blick behalten müssen.(2) Die Andeutung des Fed-Vorsitzenden Waller, dass es 2026 zu Zinserhöhungen kommen könnte, löste Verkäufe an den Aktienmärkten aus, und die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen stieg auf etwa 4,45 %. Üblicherweise wirken sich steigende Zinsen stärker auf kleinere Tech-Unternehmen aus, die auf künftige Bewertungen angewiesen sind; inzwischen sind aber auch große Tech-Konzerne betroffen. Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta – diese „Hyperscaler“ – werden dieses Jahr voraussichtlich insgesamt bis zu 750 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur investieren, was über 80 % mehr ist als 2025.(3) Dieser gewaltige Plan stützt sich in hohem Maße auf Fremdfinanzierung. Nvidia, Oracle, Amazon, Alphabet, Meta und der neu an die Börse gegangene SpaceX (geplant ist die Emission von Anleihen in Höhe von mindestens 20 Milliarden US-Dollar) beschaffen sich alle Mittel am Anleihemarkt. Jeff Kilburg, CEO von KKM Financial, sagt, der Finanzierungsbedarf im KI-Sektor sei „nie gesättigt“; solange es Vertrauen in Kreditaufnahme und Investitionen gebe, sei dies die „perfekte Formel“ für führende Tech-Unternehmen, um Fremdkapital einzusetzen.(4) Die Tech-Giganten haben einen akuten Finanzbedarf, da sie ihre über Jahre angesammelten Barreserven gerade aufbrauchen. Laut Goldman Sachs ist das Verhältnis von Investitionsausgaben zu Cashflow bereits auf dem höchsten Stand seit dem Dotcom-Boom; für dieses Jahr wird mit Ausgaben von annähernd 920 Milliarden US-Dollar gerechnet, wobei Analysten bislang konservativ schätzen. Amazon erwartet Ausgaben von etwa 200 Milliarden US-Dollar im laufenden Jahr, und allgemein wird mit einem negativen freien Cashflow gerechnet.(5) Einige Unternehmen verfügen jedoch weiterhin über finanzielle Widerstandsfähigkeit. Sam Woods, Chefstratege bei Freedom Capital Markets, meint, man müsse jeden Einzelfall genau betrachten: Nvidia beispielsweise ist in einer exzellenten Kassenlage, der freie Cashflow stieg im letzten Quartal auf über 48,5 Milliarden US-Dollar (Vorjahreszeitraum: 26,1 Milliarden US-Dollar) und stelle keineswegs eine „rote Flagge“ dar, sondern biete vielmehr finanzielle Flexibilität.
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