Morgan Stanley kommentiert das Gerücht um Nvidia "Speicher-Halving": Dies ist ein tatsächlicher Engpass, Angebotsbeschränkungen sind zum größten Hindernis für KI geworden.
Gerüchte über Kürzungen der Speicher-Konfigurationen für Vera Rubin-Racks durch Nvidia haben den Markt erschüttert. Morgan Stanley ist jedoch der Ansicht, dass dies vielmehr das Ausmaß des Speichermangels bestätigt, anstatt ein Zeichen für eine abnehmende KI-Nachfrage zu sein.
Letzte Woche veröffentlichte das Forschungsinstitut SemiAnalysis einen Bericht, in dem es heißt, dass Nvidia plant, die LPDDR5-Speicherkapazität des Vera Rubin-Racks von 55 TB auf 28 TB zu reduzieren und die SOCAMM-Speichermodul-Spezifikation von 192 GB auf 96 GB zu verringern. Diese Nachricht wurde vom Markt als Hinweis auf eine sinkende KI-Nachfrage interpretiert und führte unmittelbar dazu, dass der Aktienkurs von Micron (MU) am Tag der HBM4-Zertifizierung durch Nvidia um 13 % einbrach – der größte Tageseinbruch seit April 2025. Der Halbleiter-Analyst von Morgan Stanley, Joseph Moore, veröffentlichte daraufhin einen Forschungsbericht, in dem er dieser Auslegung widersprach.
Laut Chasing Wind Trade Desk hat Morgan Stanley in seinem neuesten Bericht klar bestätigt, dass einige Racks tatsächlich mit geringerer Konfiguration ausgeliefert werden. Man betont jedoch, dass diese Anpassung ausschließlich durch Einschränkungen auf der Angebotsseite bedingt sei – und nicht durch eine schwächelnde Nachfrage. Gleichzeitig hob das Institut seine Prognose für den weltweiten Halbleiterumsatz im Jahr 2026 von 807 Milliarden US-Dollar auf 880 Milliarden US-Dollar an und hält an seiner Kaufempfehlung für MU und SNDK fest, mit Kurszielen von 1.050 USD bzw. 1.750 USD.

Gerücht bestätigt, aber Marktwahrnehmung verzerrt
Morgan Stanley bestätigt in seinem Bericht, dass die Kürzung der Speicher-Konfigurationen bei den Vera Rubin-Racks von Nvidia tatsächlich stattfindet, hebt jedoch hervor, dass die Marktbewertung dazu völlig fehlgeleitet ist.
Im Bericht heißt es, dass Nvidia und seine Cloud-Kunden bereit sind, jedes verfügbare Gigabyte SOCAMM-Speicher zu erwerben, und dass die höheren Konfigurationen sofort wieder eingeführt werden, sobald das Angebot mit der Nachfrage Schritt hält. Morgan Stanley ist der Meinung, dass das alleinige Ziel dieser Anpassung darin besteht, die Auswirkungen des DRAM-Mangels auf den Verkauf von GPU-Racks zu minimieren – dies ist der wahre Beweis eines tatsächlichen Mangels und keineswegs das Ergebnis eines wiederholten Bestellfensters.
Was die Auswirkung auf den Umfang betrifft, so würde bei einem angenommenen Bau von 53.000 bis 70.000 Racks im nächsten Jahr der SOCAMM-Bedarf bei der 55-TB-Konfiguration fast 5 % der weltweiten DRAM-Nachfrage ausmachen. Eine vollständige Halbierung würde im Extremfall eine Reduktion um etwa 1,4 Millionen TB bedeuten, was mehr als 2 % des globalen Marktes von 6,2 Millionen TB entspricht. Dabei wäre besonders das margenträchtigere Marktsegment betroffen. Morgan Stanley erwartet, dass die höhere Konfiguration bald nach Auslieferungsstart wieder verfügbar sein wird.
SIA-Daten April: Keine schnelle Lösung für Speichermangel
Morgan Stanley kommentierte zugleich die am 5. Juni veröffentlichten April-Zahlen der Halbleiterindustrie-Vereinigung (SIA) und sieht darin eine weitere Bestätigung für ein anhaltend angespanntes Speicherversorgungsumfeld.
Im April ging der Gesamtumsatz der Halbleiterbranche im Monatsvergleich um 2,2 % zurück– deutlich besser als die Prognose von Morgan Stanley (-12,1 %) und dem 10-Jahres-Saisondurchschnitt (-10,6 %). Die Wachstumsrate im Jahresvergleich beschleunigte sich auf 106,4 %. Speicher waren besonders auffällig: Der DRAM-Umsatz fiel nur um 3,7 % zum Vormonat – weit besser als erwartet (-24,2 %) und dem 5-Jahres-Saisondurchschnitt (-27,6 %), mit einem Anstieg von 375,3 % zum Vorjahr und einem dreimonatigem rollierenden Wachstum von 298,5 %, das ein Rekordhoch seit 2001 darstellt. Die Durchschnittspreise sind im Jahresvergleich nun seit neun Quartalen in Folge beschleunigt gestiegen. NAND-Umsätze sanken um 4,2 % und lagen damit ebenfalls deutlich über den Erwartungen (-11,2 %). Das Umsatzwachstum im Jahresvergleich betrug 366 %, das dreimonatige rollierende Umsatzwachstum 307 % und das rollierende Preiswachstum 213,4 % – allesamt historische Höchstwerte.

Morgan Stanley betont, dass die April-Daten die Einschätzung stützen, dass es keine schnelle Lösung für den Speichermangel gibt. DRAM ist mittlerweile zum Hauptengpass im Ausbau von KI-Infrastrukturen geworden. Die hohe Auslastung bei HBM-Wafern, Beschränkungen bei Reinräumen und EUV-Anlagen sowie die limitierte Kapazitätserweiterung bei NAND tragen gemeinsam zu einem anhaltend hohen Preisniveau bei. Das Institut ist der Meinung, dass langfristige Lieferverträge (LTA) eher als Symptom der Nachfrage-Engpässe und des Wettbewerbs unter Hyperscalern um Kapazitäten zu verstehen sind, nicht als Ursache des aktuellen Zyklus.

Prognosen angehoben – Speicher und KI-Lieferkette im Fokus
Auf Basis der genannten Einschätzungen hat Morgan Stanley seine Branchenerwartungen deutlich nach oben korrigiert. Die globale Halbleiterumsatzprognose für 2026 wurde von 910 Milliarden US-Dollar auf 1,607 Billionen US-Dollar angehoben, mit einer erwarteten Wachstumsrate von +103 % (zuvor +91 %). Der Haupttreiber ist der Speicherbereich: Die DRAM-Prognose wurde von 150,3 Milliarden US-Dollar auf 581,9 Milliarden US-Dollar erhöht, die für NAND von 67,7 Milliarden US-Dollar auf 293,5 Milliarden US-Dollar. Für 2027 erwartet Morgan Stanley ein weiteres Umsatzwachstum von 22 % auf 1,96 Billionen US-Dollar – ebenfalls vor allem getrieben durch anhaltende Preissteigerungen im Speichersegment.
Auf Einzelebene hält Morgan Stanley an der Kaufempfehlung für MU mit einem Kursziel von 1.050 US-Dollar (aktueller Kurs: 864 US-Dollar, Aufwärtspotenzial: 22 %) fest, ebenso wie für SNDK mit einem Ziel von 1.750 US-Dollar (aktueller Kurs: 1.559 US-Dollar, Aufwärtspotenzial: 12 %). Darüber hinaus sieht die Bank weiteres Potenzial für KI-Infrastruktur-Profiteure wie NVDA (Kaufen, Kursziel: 288 US-Dollar), AVGO (Kaufen, Kursziel: 502 US-Dollar) und ALAB (Kaufen, Kursziel: 240 US-Dollar) sowie für Ausrüstungs- und Lieferketten-Akteure wie LRCX, KLAC und MKSI.
Breiter Markt zeigt ebenfalls Erholung – Zyklen weiten sich aus
Morgan Stanley hebt hervor, dass die April-SIA-Daten nicht nur beim Speichersegment positiv überraschten. Auch der breite Markt entwickelte sich deutlich besser als erwartet – ein Zeichen dafür, dass der aktuelle Halbleiteraufschwung sich von KI-verwandten Bereichen auf den Gesamtmarkt ausdehnt.
Kategorien wie diskrete Komponenten, analoge Chips, MCUs und MPUs lagen allesamt über den Erwartungen von Morgan Stanley und den saisonalen Durchschnittswerten der vergangenen zehn Jahre. Die Industrie beschleunigt sich von einem zyklischen Tiefpunkt aus wieder und die Nachfrage breitet sich zunehmend auf Nicht-KI-Segmente aus, während der Lagerabbau weiter voranschreitet. Die Bank stellt fest, dass sich in der Lieferkette erste Preiserhöhungen zeigen – getrieben allerdings eher durch Kostenweitergabe als durch echte Wertsteigerung, Ausnahmen bilden einige wenige Unternehmen wie ADI.
Morgan Stanley kommt zu dem Schluss, dass die April-Daten weiter belegen, dass der aktuelle Halbleiterzyklus nicht länger nur ein KI-getriebener Nischentrend ist, sondern sich zunehmend zu einem breiteren angebotslimitierten Aufwärtszyklus entwickelt. Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Bank weiterhin eine positive Einschätzung für Anbieter von Analog-/MCU-Lösungen wie ADI, NXP und ALGM.
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