German News über die Finanzmärkte: Die Möglichkeiten Japans, den dramatischen Einbruch am Anleihemarkt zu bekämpfen, werden zunehmend begrenzt. Dieser Einbruch könnte dazu führen, dass die Finanzierungskosten für Staatsschulden die Erwartungen der japanischen Regierung übersteigen und die ehrgeizigen Ausgabenpläne von Premierminister Sanae Takaichi durch unkontrollierbare Faktoren eingeschränkt werden. Analysten erklären, dass die derzeit zur Stabilisierung des Marktes verfügbaren Maßnahmen – etwa begrenzte Reduzierung der Anleiheausgabe oder Notkäufe durch die Zentralbank – angesichts der hartnäckigen Inflation sowie der immer expansiveren Fiskalpolitik lediglich temporäre Notlösungen darstellen.
Mari Iwashita, Executive Rate Strategist bei Nomura Securities, sagte: "Japan hat seit der letzten Ölkrise keinen derart hartnäckigen Preisdruck erlebt. Die Herausforderung, die Inflationsrate auf das Zielniveau von 2% der japanischen Zentralbank zu verankern, wird immer größer."
Der globale Ausverkauf von Anleihen hat seinen Mittelpunkt in Japan. Die Rendite der maßgeblichen japanischen 10-jährigen Staatsanleihen steht kurz davor, die 3%-Marke zu überschreiten – zum ersten Mal seit Mitte der 1990er Jahre. Investoren sorgen sich zunehmend wegen der gigantischen Schuldenlast Japans und der Inflationsrisiken, die durch den Krieg im Nahen Osten entstehen. Am Dienstag erreichte die Rendite der 10-jährigen japanischen Staatsanleihen mit 2,945% ein Dreißigjahreshoch und fiel am Mittwoch auf etwa 2,89% zurück.

Obwohl staatliche Subventionen die Kerninflationsrate unter dem Ziel von 2% halten, warnte die Bank of Japan vor dem Risiko einer Überhitzung der Inflation, was eine vorgezogene Zinserhöhung notwendig machen könnte. Die Erwartung schnelleren und früheren Anhebens der Zinsen hat die Sorge um das zurückbleibende Handeln der Bank of Japan bei der Inflationsbekämpfung verringert. Analysten weisen jedoch darauf hin, dass dies auch zu einer Neubewertung des Anleihemarktes geführt hat: Investoren halten nun eine Zinserhöhung auf 2% für sehr wahrscheinlich – deutlich über der zuvor angenommenen Höchstmarke von etwa 1,5%.

Eine harte Bewährungsprobe
Die steigenden Renditen stellen eine große Herausforderung für die Wirtschaftsstrategie von Sanae Takaichi dar. Sie argumentiert, eine Erhöhung der Ausgaben sei sinnvoll, da das Wirtschaftswachstum langfristig die Kosten für Fremdfinanzierung übersteigen werde und Japan somit seine enorme Schuldenlast tragen könne, ohne die Finanzstabilität zu gefährden.
Wird die Rendite der 10-jährigen japanischen Staatsanleihen jedoch 3% übersteigen und die Inflationsrate bei 2% liegen, wird das Wachstum real maximal um 1% schwanken – was die vermeintliche Grundlage infrage stellt. In den im Juli veröffentlichten Prognosen der Regierung wurde für das bis März 2027 laufende Geschäftsjahr ein reales BIP-Wachstum von 0,9% und für das darauffolgende Jahr von 1,1% angenommen.
Höhere Renditen bedrohen außerdem die Erschwinglichkeit der zentralen Wachstumspläne von Sanae Takaichi. Zeitgleich drängen die konservativen Kräfte innerhalb der Regierungspartei sie dazu, die Ausgaben zu kürzen.
Sollten die Zinssätze dauerhaft über den als Haushaltsbasis angenommenen Wert von 3% steigen, werden die Kosten für die Finanzierung der Schulden auf über 31 Billionen Yen (195 Mrd. US-Dollar) klettern. Gleichzeitig würde Takaichis charakteristische Strategie, Investitionen in wachstumsstarke Branchen zu lenken, geschwächt.
Nach den Schätzungen des Finanzministeriums würden sich die Schuldendienstkosten im Haushaltsjahr 2029 auf 41 Billionen Yen erhöhen, falls die langfristige Rendite der Staatsanleihen auf 3,6% steigt.
Noch schlimmer: Die Regierung hat beschlossen, im nächsten Haushalt keine Obergrenze für die Ausgaben in strategischen Wachstumssektoren zu setzen – dies könnte bedeuten, dass auf der Grundlage eingesparter Einnahmen durch die geplante Lebensmittelsteuersenkung mehr Schulden aufgenommen werden müssen.
Schlüsselmaßnahmen der japanischen Regierung
Angesichts der anhaltenden Turbulenzen am Anleihemarkt gewinnen politische Optionen zur Eindämmung des Ausverkaufs zunehmend an Bedeutung. Analysten vermuten, das Finanzministerium könnte vorübergehend das Angebot an Anleihen verringern oder auf der nächsten routinemäßigen Investorenkonferenz Bedenken bezüglich eines Überangebots von Staatsanleihen entgegennehmen.
Ataru Okumura, Chief Rate Strategist bei SMBC Nikko Securities, erklärte: "Die Anpassung des Zeitplans der Anleiheausgabe und eine weniger regelmäßige Emission können helfen, den Anstieg der Renditen zu bremsen." Zudem seien Hinweise darauf, dass das Ministerium die Ausgabe von 10-jährigen Anleihen zu reduzieren erwäge, besonders beachtenswert.
Eine weitere Option wäre, dass die Bank of Japan den Umfang ihrer Notkäufe am Anleihemarkt erhöht. Obwohl die Bank of Japan ihren Interventionsspielraum sukzessive verkleinert hat, hält sie an diesem Instrument fest, um rasante und ungeordnete Renditeanstiege, die die Finanzstabilität gefährden, abzufangen.
Ein mit den Überlegungen der Bank of Japan vertrauter Insider berichtete, dass die Zentralbank die Möglichkeit einer Intervention nicht völlig ausschließe, angesichts der maßgeblich fundamentalen Gründe für den jüngsten Anstieg der Renditen jedoch keine Notwendigkeit zum Eingreifen sehe.
Viele Analysten glauben, dass die Renditen weiter unter Druck bleiben werden – außer die Regierung überdenkt ihre expansive Strategie mit Subventionen und Steuersenkungen zur Entlastung der Lebenshaltungskosten. Diese Praktik fördere lediglich Nachfrage und Inflation.
Naomi Muguruma, Chief Bond Strategist bei Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities, meint: "Wenn die Regierung die Staatsausgaben erhöht und die Preissteigerungen durch den Krieg im Nahen Osten verstärkt werden, kann die Bank of Japan keine stabile Erwartungshaltung bezüglich der Inflation schaffen. Inflation stellt für alle Akteure am japanischen Anleihemarkt aktuell das Hauptproblem dar. Das Grundproblem ist, dass der Markt an der Entschlossenheit der Regierung zweifelt, die Inflation einzudämmen."