Die KI-Blase steht vor dem „Urteil“! Die Bank of America gibt einen „Handelsleitfaden“ für die Zwischenwahlen aus: Warnung vor einer möglichen 10%igen Korrektur am US-Aktienmarkt, drei Szenarien mit Investmentlogik im Überblick
Hartnett von der Bank of America warnt vor den Zwischenwahlen: Ein Erdrutschsieg der Demokraten könnte eine Korrektur von über 10 % am US-Aktienmarkt auslösen, während die KI-Blase einem möglichen „Tag des Gerichts“ gegenübersteht.
Wie das APP von Zhihui Finance berichtet, sind die globalen Anleiherenditen auf ein Zwanzigjahrhoch gestiegen, was die größte Bedrohung für den Boom der KI-Kapitalausgaben darstellt. Die bevorstehenden US-Zwischenwahlen könnten zudem als entscheidende Variable für die Auslösung von Marktvolatilität wirken. Michael Hartnett, Chef-Investmentstratege bei Bank of America Securities, warnte in der neuesten Ausgabe des Wochenberichts "Flow Show" eindringlich: Sollte die Demokratische Partei bei den Zwischenwahlen sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat gewinnen, könnten US-Aktien um mehr als 10% fallen, der Dollar schwächer werden, die Anleiherenditen sinken und die KI-Blase könnte ebenfalls Gefahr laufen zu platzen.
Unterschätztes "Tail Risk": Die Wahrscheinlichkeit eines Durchmarsches der Demokraten ist auf 50% gestiegen
Hartnett definiert einen Durchmarsch der Demokraten als eines der aktuell größten Tail Risks am Markt, das von Investoren bisher kaum eingepreist wurde. Diese optimistische Stimmung stammt teils aus zwei Fehlannahmen: Erstens, dass die Trump-Regierung hauptsächlich durch Exekutivverordnungen regiert habe und Veränderungen in der Zusammensetzung des Kongresses daher wenig Einfluss hätten; zweitens, dass die Karte der Senatswahlen weiterhin zugunsten der Republikaner ausfalle.
Polymarket-Daten zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit für einen demokratischen Doppelsieg im Kongress bereits auf 50% gestiegen ist – weit über den 10%, die für einen republikanischen Durchmarsch erwartet werden. Der rapide Anstieg dieser Wahrscheinlichkeit steht in engem Zusammenhang mit der Unterstützung für Präsident Trump, die derzeit nur im Bereich von 35% bis 40% liegt – signifikant unter dem historischen Durchschnitt von 53% zwei Monate vor den Zwischenwahlen. Laut der Bank of America-Umfrage unter Fondsmanagern im August erwarten 47% "Republikaner kontrollieren den Senat, Demokraten das Repräsentantenhaus", 23% prognostizieren einen Doppelsieg der Demokraten, nur 9% erwarten eine durchgehende Kontrolle der Republikaner.

Hartnett räumt ein, dass die Zwischenwahlen sich nicht wie die politische Wechselwahl von Thatcher/Reagan 1980 oder die Trump-Wahl 2016 auf den radikalen Umbau der US-Regierung auswirken werden, sondern die Ausgabenpolitik grundsätzlich weiterhin aufwärtsgerichtet bleibt. Dennoch sind die strukturellen Unterschiede im Wahlergebnis für die Asset-Preise nicht zu unterschätzen.
Drei Szenarien, drei völlig verschiedene Marktabschlüsse
Hartnett skizziert drei mögliche Szenarien für die Zwischenwahlen mit extrem unterschiedlichen Auswirkungen auf die Assetpreise:
Szenario 1: Demokratische Partei gewinnt beides (Wahrscheinlichkeit ca. 50%) – Flucht in Sicherheit mit "Nuklearexplosion"
Wenn die Demokraten sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat gewinnen, wird die stärkste Fluchtreaktion ausgelöst. Hartnett warnt, dass US-Aktien möglicherweise mehr als 10% verlieren, der Dollar schwächer wird und die Anleiherenditen sinken. Entscheidend ist, dass die KI-Blase Gefahr läuft zu platzen, die Politik sich von "populistischem Kapitalismus" hin zu "populistischem Sozialismus" wenden könnte und damit die Grundlogik der niedrigen Steuern und der Lockerung der Regulierung direkt herausfordert – das Kernargument für die KI-Kapitalausgaben. Internationale Aktienmärkte könnten sogar besser abschneiden, wobei die europäischen Börsen gegenüber asiatischen besser tendieren. Die bevorzugte Hedge-Strategie der Bank of America für dieses Szenario lautet: Short im Finanzsektor und beim Dollar.
Szenario 2: Republikanische Partei gewinnt beides (Wahrscheinlichkeit ca. 10%) – "Grünes Licht" für Risikofreude
Gelänge es den Republikanern, beide Kammern zu behalten, bedeutet das "grünes Licht" für Risikobereitschaft und ebnet der KI-Handelspolitik den Weg. Hartnett ist der Meinung, dies könnte das KI-Segment weiter stärken und sogar bis 2027 zu einem spekulativem "Blasenmarkt" führen, wobei auch das Thema US-Exzeptionalismus wieder zurückkehrt und den Dollar stützt.
Szenario 3: Geteiltes Kongress (größte Wahrscheinlichkeit) – "Blockade = Goldlöckchen"
Das wahrscheinlichste Ergebnis ist, dass die Republikaner den Senat und die Demokraten das Repräsentantenhaus kontrollieren. Hartnett bezeichnet dies als risikoangemessene Blockadesituation – "Blockade = Goldlöckchen" (gridlock = goldilocks). In diesem Szenario halten sich die Parteien gegenseitig im Zaum, radikale Politikwechsel bleiben aus und die KI-Kapitalausgaben werden nicht vollständig abgewürgt – für den Markt das "genau richtige" Resultat.
Gouverneurswahl in Texas: "Windrichtungsanzeiger" für KI-Politik
Im August hebt Hartnett besonders hervor, dass die Texas-Gouverneurswahl das relevanteste Element dieser Zwischenwahlen ist. Er definiert die Wahl als eine Volksabstimmung rund um "Lebenshaltungskosten und KI-Datenzentren".
Texas verfügt aktuell über 335 Datenzentren, weitere 247 sind in Planung. Der amtierende republikanische Gouverneur Greg Abbott hat kürzlich angekündigt, die Expansion der Datenzentren vorübergehend zu stoppen, was die gestiegenen Energiekosten und den Druck auf das Stromnetz bereits auf die Wahlebene überträgt. Sollte die demokratische Herausforderin Gina Hinojosa gewinnen und gleichzeitig die Demokraten den Senat holen, könnten KI-Investitionen und Risikoassets neu bewertet werden.
Die Bank of America betonte, dass ein republikanisches Scheitern in Texas ein Signal senden würde, dass die Wähler die leistbaren Lebenshaltungskosten höher gewichten als Steuererleichterungen, und damit die politische Grundlage für den aktuellen KI-Bullenmarkt direkt erschüttert.
"Früher Alarm" im Anleihemarkt: Renditen sind das wahre "Ankerpunkt" für KI-Trades
Hartnett ist der Meinung, das aktuell wichtigste Marktsignal ist nicht die überraschende Arbeitsmarktentwicklung, sondern der weltweite Zusammenbruch der Anleihemärkte.
Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen ist auf 4,81% gestiegen und nähert sich dem Niveau der Finanzkrise 2008; die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe liegt bei 5,31%, ein Rekord seit 2007. Zeitgleich hat die Rendite der 10-jährigen japanischen Staatsanleihen erstmals seit 1996 die Marke von 3,0% überschritten; die 10-jährigen deutschen Staatsanleihen stiegen auf 3,38% – das ist der höchste Stand seit 2011. Der Bloomberg Global Bond Yield Index erreichte das höchste Niveau seit 2007.
Hartnett destilliert dieses Phänomen zu einer Kernthese: "Anleihen dominieren die Blase." Seiner Ansicht nach ist die langfristige Rendite – nicht die Aktien-Narrative – der wahre Ankerpunkt für KI-Handelsaktivitäten. Solange die globale 30-jährige Rendite unter 5% bleibt, werden Infrastrukturbetreiber und Investoren der KI weiterhin hinter den KI-Anwendungsunternehmen zurückbleiben.
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