JPMorgan: Die US-Staatsanleiherenditen nähern sich der 5%-„Warnlinie“, Aktienmärkte könnten eine Korrektur von 5% bis 8% erleben.
Steigende Anleiherenditen stellen ein Hauptrisiko für die globalen Aktienmärkte dar.
Laut Informationen der Zhihong Finance APP erklärte Grace Peters, Leiterin der globalen Investmentstrategie bei der JPMorgan Private Bank, dass steigende Anleiherenditen ein zentrales Risiko für die globalen Aktienmärkte darstellen, während der September traditionell ein schwacher Monat für den US-Aktienmarkt ist. Peters ist der Ansicht, dass sowohl die US- als auch die europäischen Aktienmärkte in diesem Jahr noch weiteres Aufwärtspotenzial haben. Sie warnt jedoch davor, dass vor risikobehafteten Ereignissen wie den US-Midterm-Wahlen im November eine Korrektur von 5% bis 8% möglich ist. Ihrer Meinung nach handelt es sich dabei um eine gesunde Gewinnmitnahme und keinen strukturellen Kollaps.
US-Staatsrenditen nähern sich der 5%-"Warnschwelle", Aktienmärkte könnten zu abrupten Verkäufen neigen
Der Anstieg der Anleiherenditen ist zu einem Kernanliegen für Aktieninvestoren geworden. Aufgrund der Sorge, dass die Situation im Iran und mögliche Zollmaßnahmen die Inflation antreiben könnten, stieg die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe auf 4,8% und nähert sich damit der oft als negativ für Aktienmärkte angesehenen 5%-Marke. Die Rendite der dreißigjährigen US-Staatsanleihe liegt sogar auf dem höchsten Stand seit 19 Jahren.
Torsten Slok, Chefökonom von Apollo Global Management, erklärte am Mittwoch, dass die US-Staatsrenditen weiter steigen könnten. Er betonte jedoch, dass dieser Aufwärtsdruck hauptsächlich durch den Krieg im Iran und die Zollpolitik verursacht werde und weniger mit der fiskalischen Situation der USA zusammenhänge. Slok wies darauf hin, dass die Marktteilnehmer tatsächlich weniger besorgt über die US-Politik seien als über die Politik in Japan und Deutschland.
Gleichzeitig wächst die Erwartung am Markt, dass die Federal Reserve zu Zinserhöhungen gezwungen sein könnte, wodurch die Renditen auf das Niveau vor der vom US-Finanzminister Yellen erweiterten Rückkaufoffensive zur Senkung der Kosten langfristiger Anleihen zurückkehren könnten. Den Daten zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bei der September-Sitzung, wie vom Markt eingepreist, bereits bei 69%.
Peters von JPMorgan kommentierte: "5% haben psychologische Auswirkungen. Ich denke, die Aktienmärkte könnten darauf mit Reflexverkäufen reagieren – besonders, wenn man die saisonalen Faktoren im September, die Midterm-Wahlen und das inzwischen abgeklungene Kurstreiben durch die Berichtssaison des zweiten Quartals berücksichtigt."

In Bezug auf die Gewinne erklärte Peters, dass das Wachstum der Unternehmensgewinne im zweiten Quartal von 30% bei US-Unternehmen und rund 15% bei europäischen Unternehmen nicht nachhaltig sei und sich das Tempo voraussichtlich verlangsamen werde. Sie betonte jedoch, dass die Breite dieses Gewinnwachstums – mit Beiträgen aus den Bereichen Finanzen, Industrie und Versorger – auf eine gesündere Marktstruktur hinweise als ein rein technologisch getriebener Aufschwung.
Abkühlung am Immobilien- und Automarkt, bleibt AI der Lichtblick?
Der Renditeanstieg zeigt bereits spürbare Auswirkungen auf die empfindlichsten Sektoren der US-Wirtschaft: Der Immobilien- und der Automobilsektor stehen unter Druck.
Slok schrieb in seinem Bericht, dass der mittlere Hauspreis in den USA mittlerweile 400.000 US-Dollar betrage, während sich die meisten amerikanischen Familien nur ein Haus für etwa 300.000 US-Dollar leisten könnten. Die gestiegenen Einstiegshürden treiben das Medianalter von Erstkäufern von 30 Jahren im Jahr 2008 auf inzwischen 40 Jahre. Der Zahlungsverzug bei Mehrfamilienhäusern ist inzwischen so hoch wie seit 2004 nicht mehr und hat sogar den Höhepunkt nach der globalen Finanzkrise überschritten.
Slok erklärte: "Die Zinsen wirken sich restriktiv auf den Immobilienmarkt aus, für das AI-Segment gilt das jedoch nicht."
Diese Einschätzung spiegelt auch JPMorgans Sektorpräferenzen wider. Peters nennt Versorger, Finanz- und Technologieunternehmen als Favoriten. Sie weist darauf hin, dass Versorger nicht nur eine Schlüsselrolle bei der Stromversorgung der AI-Infrastruktur spielen, sondern dass die Stromverfügbarkeit ebenso wie der Mangel an Speicherchips ein potenzieller limitierender Faktor für das AI-Wachstum werden könnte.
JPMorgans zentrale Einschätzung bleibt, dass der Superzyklus bei den Kapitalausgaben einen Superzyklus bei den Gewinnen auslösen wird. Die USA und die Schwellenmärkte bleiben die bevorzugten Aktienmärkte, während Europa weder als Gewinner noch als Verlierer angesehen wird.
Aus Peters' Sicht besteht die eigentliche „Bewährungsprobe“ darin, dass umfangreiche AI-Investitionen tatsächlich Kapitalrenditen liefern – sowohl für die Tech-Giganten, die massiv investieren, als auch für die Endanwender aus sämtlichen Branchen, die AI-Services beziehen.
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