Strategy ist zurück: Erster Bitcoin-Kauf seit 10 Wochen
Strategy hat zum ersten Mal seit Mitte Juni wieder einen Bitcoin-Kauf bekanntgegeben. Das Unternehmen erwarb in der vergangenen Woche 4.603 BTC und ist damit jetzt wieder ein Nettokäufer, seitdem es im Sommer begann, vereinzelt Coins abzustoßen. Ist das Schlimmste also überstanden und was würde das für die Entwicklung des Bitcoin-Kurses bedeuten?
Stresstest für Strategy
Strategy, der größte börsennotierte Bitcoin-Halter, stand in den vergangenen Monaten unter erheblichem Druck. Nachdem das Unternehmen am 1. Juni den symbolischen Verkauf von 32 Bitcoin offenlegte, setzte sich eine Art Negativspirale in Gang.
Neben dem Bitcoin-Kurs fielen insbesondere auch die Stammaktie MSTR sowie die Vorzugsaktien des Unternehmens. In den Wochen darauf kaufte Strategy zwar noch ein paar Bitcoin wieder hinzu, doch bis Ende Juni verschärfte sich der Gegenwind deutlich.
MSTR fiel in Bitcoin gemessen schließlich auf das niedrigste Niveau seit Februar 2024, während die relevanteste Vorzugsaktie STRC, deren Kurs eigentlich bei um die 100 US-Dollar gehalten werden soll, im Tief nur noch 71,25 US-Dollar kostete.
Strategy reagierte auf diese Stresssituation, indem das Unternehmen die Cash-Reserve deutlich vergrößerte – finanziert durch die Ausgabe von Stammaktien. Überdies wurden seither vereinzelt auch Bitcoin verkauft, um die Dividenden der Vorzugsaktien zu bezahlen oder das Flaggschiffprodukt STRC zurückzukaufen.
Das alles führte aber nur bedingt dazu, das Geschäftsmodell wieder zu stabilisieren. Die Stammaktie konnte sich gegenüber Bitcoin nämlich nur leicht erholen, während der STRC-Kurs trotz größerer Cash-Reserve und Rückkäufen immer noch ein gutes Stück von der 100-US-Dollar-Marke entfernt handelte.
Bessere Marktbedingungen nach Bitcoin-Rally
Die plötzliche Bitcoin-Rally, die am 19. August durch die Ankündigung größerer Anleiherückkäufe durch das US-Finanzministerium sowie einen Short-Squeeze losgetreten wurde, führte dann aber zu deutlich besseren Marktbedingungen.
Die MSTR-Aktie konnte überproportional profitieren, während hohe Handelsvolumina verzeichnet wurden. Dies machte sich Strategy in der Woche des Ausbruchs beim Bitcoin-Kurs zunutze, indem für insgesamt rund 2 Milliarden US-Dollar Stammaktien emittiert wurden.
Dieses Geld floss aber nicht in Bitcoin-Käufe, sondern quasi ausnahmslos in die Vergrößerung des Cash-Puffers. Die Dividendenreserve wurde auf 5,1 Milliarden US-Dollar vergrößert, womit sie jetzt 3 Jahre an Zahlungsverpflichtungen abdeckt, während eine separate Reserve in Höhe von 1,585 Milliarden US-Dollar errichtet wurde.
Die neue Reserve namens „USD Cash“ soll, so Strategy, flexibel eingesetzt werden – etwa um Bitcoin zu kaufen, Schulden zu tilgen oder Aktienrückkäufe zu finanzieren.
Mit den zusätzlichen 2 Milliarden US-Dollar hatte Strategy dann 6,685 Milliarden US-Dollar auf der Bilanz. Die Nettoverschuldung sank infolgedessen auf 0,1 %. Es sind noch 6,714 Milliarden US-Dollar an Wandelanleihen ausstehend.
Demnach lag die Vermutung nahe, dass das Unternehmen nach eigenem Ermessen nun ausreichend Cash auf der Bilanz haben sollte. Zeitgleich erholte sich die Aktienbewertung weiter, sodass das mNAV wieder über der Schwelle von 1 x lag, ab der es laut der neuesten Definition zuträglich sein soll, MSTR-Aktien auszugeben, um Bitcoin zu kaufen.
Ein mNAV von 1 x bedeutet, dass das Unternehmen genau so viel wert ist wie die Bitcoin und das Cash auf der Bilanz abzüglich der Schulden und Vorzugsaktien.
Am gestrigen Sonntag setzte Michael Saylor dann zum ersten Mal seit drei Wochen wieder den obligatorischen Post zum Saylor-Tracker-Chart mit den orangefarbenen Punkten ab.
Dadurch wurde absehbar, dass Strategy in der vergangenen Woche wieder auf der Käuferseite aktiv gewesen sein dürfte.
Der Text dazu ließ nämlich auf eine kommende Bitcoin-Kaufmitteilung schließen.
Wir sind zurück.
Michael Saylor
We’re ₿ack. pic.twitter.com/ciqOaCa908
— Michael Saylor (@saylor) August 30, 2026
4.603 Bitcoin für 369,7 Millionen US-Dollar
Gegen 14 Uhr deutscher Zeit meldete Strategy heute schließlich, in der vergangenen Woche 4.603 Bitcoin zu einem durchschnittlichen Kaufkurs von 80.318 US-Dollar je BTC gekauft zu haben. Insgesamt legte das Unternehmen also 369,7 Millionen US-Dollar auf den Tisch.
Die Bitcoin-Reserve wurde infolgedessen von 840.447 auf 845.050 BTC vergrößert. Strategy hält 4,02 % aller Bitcoin.
Finanziert wurde der Kauf durch die Ausgabe von Stammaktien. Insgesamt emittierte Strategy 4.531.421 MSTR-Aktien für 602,8 Millionen US-Dollar.
50,7 Millionen US-Dollar davon flossen in die halbmonatliche STRC-Dividende, während für 151,8 Millionen US-Dollar STRC-Aktien zurückgekauft wurden.
Überdies wurde „USD Cash“ von 1,585 auf 1,614 Milliarden US‑Dollar vergrößert.
Damit hält Strategy insgesamt 6,714 Milliarden US-Dollar an Cash auf der Bilanz, was exakt der Summe an ausstehenden Wandelanleihen entspricht. Die Nettoverschuldungsquote liegt jetzt bei 0 %, während der gesamte Cash-Puffer 4 Jahren an Zins- und Dividendenzahlungen entspricht.
Strategy hat 4.603 BTC für 370 Millionen US-Dollar erworben, „USD Cash“ um 29 Millionen US-Dollar aufgestockt und STRC im Wert von 152 Millionen US-Dollar zurückgekauft. Zum 30. August 2026 halten wir 845.050 BTC und USD-Vermögenswerte in Höhe von 6,71 Milliarden US-Dollar, wodurch sich die Nettoverschuldungsquote auf 0,0 % beläuft.
Strategy
Strategy has acquired 4,603 BTC for $370M, increased USD Cash by $29M, and repurchased $152M of $STRC. As of 8/30/26, we hold 845,050 bitcoin:native and $6.71B of USD Assets, bringing Net Leverage to 0.0%. $MSTRhttps://t.co/yncvo2BVSH
— Strategy (@Strategy) August 31, 2026
Wieder Nettokäufer, aber fallende „BTC Yield“
Für Strategy war dies der erste Bitcoin-Kauf seit 10 Wochen. Denn die zuvor letzte Woche, in der das Unternehmen auf der Käuferseite aktiv war, war die vom 15. bis zum 21. Juni.
Danach verkaufte Strategy sogar insgesamt 6.916 BTC, um die Dividenden zu bezahlen oder die Vorzugsaktie STRC zurückzukaufen.
Das Unternehmen ist jetzt seit Ende Mai, als die 32 Bitcoin verkauft wurden, wieder ein Nettokäufer. Insgesamt wurden seither nämlich 6.948 BTC abgestoßen, während 8.260 BTC hinzukamen. Die Reserve wurde unter dem Strich also um 1.312 BTC vergrößert.
Für die Aktionäre gibt es dennoch nur bedingt Grund zu feiern. Diese sind nämlich in erster Linie an mehr Bitcoin je Aktie interessiert. Und da Strategy in den vergangenen Wochen für mehrere Milliarden US-Dollar Stammaktien emittierte, um Cash auf die Seite zu legen, ist die „BTC Yield“ deutlich rückläufig gewesen.
Mitte Mai lag die seit Jahresauftakt erzielte „BTC Yield“ noch bei 13,3 %. Jetzt sind es –3,7 %.
Für die Ratio „BTC je Aktie“ ist es isoliert betrachtet zwar positiv, Stammaktien bei einem mNAV von über 1 x zu emittieren, um Bitcoin zu kaufen. Doch das wird dadurch überschattet, dass das so eingesammelte Geld auch in Dividenden, die Cash-Reserve und STRC-Rückkäufe floss.
Obwohl Strategy in den vergangenen beiden Wochen für insgesamt mehr als 2,6 Milliarden US-Dollar Stammaktien emittierte, aber nur für knapp 370 Millionen US-Dollar Bitcoin kaufte, konnte sich die Aktie besser entwickeln als BTC selbst. In der vergangenen Woche stieg MSTR um 6,22 % gegenüber Bitcoin, während es in der davor eine Outperformance in Höhe von 4,55 % gab.
Sollte es Strategy gelingen, STRC wieder auf 100 US-Dollar zu bringen, sodass durch die Neuemission einige BTC hinzugekauft werden können, würde die „BTC Yield“ wieder deutlich steigen können – auch wenn dadurch höhere Dividendenzahlungen entstehen, für die nachgelagert wieder Geld aufgetrieben werden muss. STRC beendete die vergangene Woche bei einem Kurs von 96,83 US-Dollar.
Ein Unternehmen, dem es gelang, das Geschäftsmodell wieder deutlich schneller zu stabilisieren, ist Strive. Der Strategy-Nachahmer kaufte nämlich fast konstant über die Sommerwochen weitere BTC hinzu, während gar keine BTC verkauft wurden.
Das liegt unter anderem daran, dass Strive eine höhere Aktienbewertung in Relation zur Nettobilanz hat. Außerdem konnte Strives STRC-Äquivalent, SATA, schon vor knapp 2 Wochen wieder auf 100 US-Dollar steigen.
Das alles ermöglichte Strive, in der vergangenen Woche 1.800 BTC und in der davor 1.110 BTC zu kaufen. Insgesamt hält Strive jetzt 23.156 BTC, während die „BTC Yield“ auf Jahressicht 40,8 % beträgt.
Was das Comeback für Bitcoin bedeutet
Sollte die Erholung bei führenden „Bitcoin Treasury Companies“ wie Strategy oder Strive nachhaltig sein, so ist davon auszugehen, dass der Kaufdruck wieder deutlich zunehmen wird. Das könnte den Bitcoin-Kurs weiter anfachen.
Hierbei wird in erster Linie die Entwicklung von STRC bedeutend sein. Die Vorzugsaktie ermöglichte es Strategy nämlich teilweise, mehr als 1 Milliarde US-Dollar pro Woche in BTC zu investieren.
Viel wichtiger ist aber, dass die Stressphase bei Strategy gezeigt hat, dass Bitcoin auch ohne Michael Saylor als großen Käufer steigen kann. In dem Zeitraum vom 22. Juni bis zum 23. August, als Strategy keine BTC kaufte, sondern sogar verkaufte, stieg BTC nämlich von circa 63.000 auf fast 80.000 US-Dollar.
Das hat bewiesen, dass Strategy für den Bitcoin-Kurs weit weniger relevant ist, als viele zuvor angenommen hatten. Inwieweit es dem Unternehmen in einem potenziell jetzt folgenden Bullenmarkt überhaupt gelingen kann, den Preis in die Höhe zu treiben, ist demnach fraglich.
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