Die bislang aggressivste Rede in Jackson Hole seit 2009! Vorsch's Debüt treibt die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen um mehr als 10 Basispunkte nach oben
Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen stieg im Tagesverlauf zeitweise um mehr als 10 Basispunkte auf ein Monatshoch. Betrachtet man den unmittelbaren Anstieg der Rendite nach der Rede, war die Marktreaktion auf Walshs Äußerungen sogar stärker als auf Powells Reden in Jackson Hole in den Jahren 2022 und 2023. Der Swaps-Markt setzt nun darauf, dass die Fed bis Juli nächsten Jahres möglicherweise mehrfach die Zinsen anheben wird.
Der Vorsitzende der Federal Reserve, Kevin Walsh, gab sein Debüt auf der jährlichen Jackson-Hole-Konferenz, was vom Anleihemarkt schnell als ein starkes, falkenhaftes Signal eingepreist wurde.
Walsh bekräftigte, dass das PCE-Inflationsziel der Federal Reserve von 2% „entschlossen und fest“ sei und erklärte, dass die Federal Reserve „noch Arbeit zu tun habe“, sofern sie nicht sicher sein könne, dass die Kerninflation „klar und ausreichend schnell“ zum Ziel zurückkehrt. Marktdaten zeigen, dass die Rendite der zweijährigen US-Staatsanleihen intraday um mehr als 10 Basispunkte stieg und ein Ein-Monats-Hoch erreichte. Gleichzeitig stieg die Marktbewertung für eine Zinserhöhung im September deutlich an.

Nach Berechnungen von Bloomberg könnte Walshs Rede, gemessen am sofortigen Renditeanstieg der zweijährigen US-Staatsanleihen nach seiner Ansprache, die falkenhafteste seit 2009 gewesen sein – die Marktreaktion übertraf sogar die Jackson-Hole-Rede von Powell in den Jahren 2022 und 2023.
Allerdings gab Walsh keine direkte Zusage für eine Zinserhöhung im September. Das aktuelle Kernthema der Markttransaktionen ist eine noch falkenhaftere Policy-Funktion: Wenn die Inflation weiterhin über dem Ziel liegt und Arbeitsmarkt sowie Wirtschaft widerstandsfähig bleiben, kann die Federal Reserve weitere Zinserhöhungen nicht ausschließen.
Das „Votum“ der zweijährigen US-Staatsanleihen: Walshs Rede falkenhafter als Powells Äußerungen 2022 und 2023
Bloomberg hebt hervor, dass die Rede von Walsh im Vergleich mit den Marktreaktionen aller bisherigen Jackson-Hole-Ansprachen besonders auffällig ist.
Gemessen am sofortigen Renditeanstieg der zweijährigen US-Staatsanleihen nach der Rede könnte Walshs Ansprache die falkenhafteste seit 2009 gewesen sein, sogar über Powells Reden der Jahre 2022 und 2023 hinaus.
Natürlich basiert „die falkenhafteste seit 2009“ hier auf der Marktreaktion der Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen, nicht auf einer absoluten Bewertung des Redetextes. Nach Bernankes Rede 2009 gab es einen noch stärkeren ganztägigen Renditeanstieg.
Zweijährige US-Staatsanleihen reagieren äußerst sensibel auf den Leitzins der Federal Reserve, was bedeutet, dass ihr rascher Anstieg die Erwartung der Händler auf künftig kurzfristige Zinserhöhungen widerspiegelt.
Bloomberg berichtet, dass der Swaps-Markt bereits spekuliert, dass die Federal Reserve bis Juli 2027 mehrere Zinserhöhungen vornehmen könnte, was möglicherweise die langfristigen Anleihebesitzer, die sich wegen der Inflation sorgen, beruhigt.
„Kurze Laufzeiten steigen, lange bleiben stabil“: Die US-Renditekurve zeigt falkenhafte Verzerrung
Nach Walshs Rede zeigte der US-Anleihemarkt eine klare Bewegung: Renditen kurzer Laufzeiten steigen, die längeren bleiben relativ stabil.
Marktdaten belegen, dass die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen kurzzeitig über 4,35% stieg – ein Tagesanstieg von etwa 12 Basispunkten; die Rendite zehnjähriger Anleihen stieg um etwa 5 Basispunkte auf 4,72%, die Bewegung der 30-jährigen Anleihen war deutlich geringer.
Walshs Stellungnahme zur Inflation war der direkte Auslöser für den Anstieg der kurzen Renditen. Er betonte:
„Wir müssen sicherstellen, dass die Kerninflation auf unser Ziel zusteuert und dieser Prozess klar und ausreichend schnell verläuft. Andernfalls haben wir noch Arbeit zu tun.“
Er sagte zudem:
„Ich finde es schwer, die allgemeinen finanziellen Bedingungen als restriktiv zu beschreiben.“
Diese beiden Aussagen verstärken die Markteinschätzung: Die Inflation ist noch nicht ausreichend unter Kontrolle und die finanziellen Bedingungen sind nicht restriktiv, daher könnte die Federal Reserve zur Eindämmung der Nachfrage weiterhin einen höheren Leitzins benötigen.
Ira Jersey, Zinsstratege bei Bloomberg News, meint, dass Walshs Festhalten am 2%-Inflationsziel für eine sofortige Abflachung der Renditekurve sorgt; sollte die Federal Reserve jedoch in den nächsten ein bis zwei Sitzungen keine striktere Politik umsetzen, könnte sich diese Entwicklung wieder umkehren.
Anders ausgedrückt: Der Markt hat bereits einen falkenhafteren Walsh eingepreist, aber es braucht nun politische Aktion zur Bestätigung.
Starker US-Dollar, Gold unter Druck: Der Markt wartet auf Umsetzung von „noch Arbeit zu tun“
Walshs falkenhafte Statements übertrugen sich auch auf die Devisen- und Edelmetallmärkte.
Bloomberg betont, dass obwohl die Swaps-Markt-Bewertungen signalisieren, dass die Federal Reserve, die Bank of Japan und die European Central Bank alle im September ihre Zinssätze erhöhen könnten, der Dollar im Verhältnis zum Yen und zum Euro nach Walshs Rede zulegte. Gleichzeitig fiel der Goldpreis. Der Markt hatte bereits seine Wetten auf eine Zinserhöhung im September durch die Federal Reserve verstärkt; nachdem Walsh die Inflationsbekämpfung weiter betonte, belasteten die steigenden Zinserwartungen das zinslose Asset Gold.
Walsh hat dennoch keinen klaren politischen Weg für das Treffen im September genannt.
Das ist derzeit das größte Rätsel am Markt: Walsh hat eine klare Richtung für die Inflationsbekämpfung vorgegeben, sich aber nicht auf einen spezifischen Zeitpunkt festgelegt.
Wenn die Federal Reserve in den nächsten ein bis zwei FOMC-Sitzungen die Politik nicht strafft, könnten die kurzen US-Renditen und die Dollar-Stärke zum Teil wieder zurückgehen; bleibt die Inflation hartnäckig und hebt die Fed letztlich die Zinsen an, dann könnte die falkenhafte Preisbildung aufgrund von Walshs Jackson-Hole-Rede weitergehen.
Für den Markt bedeutet das, dass Walshs Debüt beim Jackson Hole Meeting nicht das Signal „Zinserhöhung im September“ liefert, sondern ein klareres politisches Kriterium: Wenn die Inflation nicht ausreichend schnell zurückgeht, hat die Federal Reserve „noch Arbeit zu tun“.
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