Vor dem Finanzbericht | Der Umsatz steigt um 88 %, aber es wird ein Verlust erwartet – kann Cerebras (CBRS.US) mit dem großen Auftrag von OpenAI die Geschichte der Rentabilität erzählen?
Im Vorfeld der bevorstehenden Veröffentlichung des Quartalsberichts von Cerebras Systems, einem aufstrebenden Stern im Bereich der KI-Chips, richtet der Markt seine Aufmerksamkeit auf den Widerspruch zwischen den rasant steigenden Umsätzen und den unter Druck geratenen Gewinnmargen des Unternehmens.
Laut German Finance APP stehen die widersprüchlichen Entwicklungen von Umsatzwachstum und den plötzlich unter Druck geratenen Gewinnmargen der aufstrebenden KI-Chip-Firma Cerebras Systems (CBRS.US) vor der Veröffentlichung des zweiten Quartalsberichts im Mittelpunkt des Interesses. Entscheidend für die Aktienkursentwicklung wird sein, ob das Unternehmen nach dem Gewinn von Kunden wie OpenAI Investoren den Weg zur profitablen Skalierung aufzeigen kann.
Am Mittwoch, dem 12. August, nach US-Börsenschluss, wird Cerebras Systems, das erst im Mai an die Börse ging, seinen zweiten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen vorlegen. Laut Unternehmensprognose wird der Kernumsatz im zweiten Quartal voraussichtlich etwa 194 Millionen US-Dollar betragen, was einem Anstieg von 88% gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Dieses starke Wachstum gegenüber dem Vorjahr bedeutet im Quartalsvergleich jedoch lediglich einen leichten Anstieg im Vergleich zu den Kernumsätzen von 191,3 Millionen US-Dollar im ersten Quartal, was auf eine kurzfristige Abschwächung des Wachstums hinweist. Der Kernumsatz ist eine von Cerebras verwendete Non-GAAP-Kennzahl, die Kundenoptionsscheinausgaben, Einkünfte aus Datenzentrumsauslagerungen und weitere Posten ausschließt. Die aktuellen Konsensschätzungen an der Wall Street liegen nahe an der Unternehmensprognose und erwarten etwa 191 Millionen US-Dollar Umsatz.
Rückblickend wuchs der Gesamtumsatz von Cerebras im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 94% auf 193,4 Millionen US-Dollar, davon legten Cloud- und andere Service-Umsätze um 178% auf 82,8 Millionen US-Dollar zu und Hardware-Umsätze stiegen um 59% auf 110,6 Millionen US-Dollar.
Gewinnmargen als größte Sorge: Eigene Kapazitäten hinken hinterher und erhöhen die Kosten
Im Vergleich zu den Umsätzen werden Investoren diesmal die Qualität der Gewinne von Cerebras besonders kritisch betrachten. Laut Wall Street wird im zweiten Quartal ein Nettoverlust von 0,17 Dollar je Aktie erwartet – ein deutlicher Gegensatz zum Gewinn von 1,44 Dollar je Aktie im Vorjahr. Zudem hatte Cerebras bereits im letzten Quartalsbericht davor gewarnt, dass die Kernbruttomarge im zweiten Quartal auf 36% bis 38% sinken könnte – deutlich weniger als die 46,5% im ersten Quartal. Der operative Margenverlust wird auf -30% bis -32% geschätzt.
Der dramatische Margenrückgang liegt an der Notwendigkeit, angesichts der stark gestiegenen KI-Inferrenz-Nachfrage und vor Inbetriebnahme eigener Rechenzentren, vorübergehend teure Kundensysteme (zum Beispiel die leistungsstarken Kapazitäten von G42) zu mieten und zu nutzen, was den Gewinn erheblich schmälert.
Wedbush-Analyst Matt Bryson stellt klar, dass die Rechenzentrumsfläche die größte operative Einschränkung für Cerebras ist – und nicht die Wafer-Versorgung. Bis jetzt hat sich Cerebras Kapazitäten im Umfang von etwa 215 Megawatt bis 2026 gesichert. Analysten sind sich einig: Je schneller die eigenen Rechenzentren live gehen, desto früher kann sich das Unternehmen von den teuren externen Kapazitäten lösen. Jede Verbesserung oder Trendwende bei den Margen könnte einen starken Antrieb für den Aktienkurs darstellen.
Bedeutende Partnerschaften und neue Produkte: Unterstützung durch OpenAI-Großauftrag, WSE-4 steht bevor
Trotz kurzfristigem Margendruck expandiert das Geschäft von Cerebras weiterhin rasant. Das Unternehmen gab einen Vertrag mit OpenAI über mehr als 20 Milliarden US-Dollar und einer Kapazität von 750 Megawatt bekannt. Zudem kooperiert Cerebras mit Amazon (AMZN.US) AWS, um seine Hochleistungs-KI-Inferenz-Technologie in die Cloud zu bringen. Kürzlich wurden außerdem Partnerschaften mit CrowdStrike (CRWD.US) und AMD (AMD.US) geschlossen – mit AMD soll die Helios-Architektur integriert und noch in diesem Jahr via Cerebras Cloud angeboten werden.
Wedbush geht davon aus, dass die Partnerschaften mit CrowdStrike und AMD wahrscheinlich nicht in der ursprünglichen Unternehmensprognose berücksichtigt wurden, sodass diese Projekte in den kommenden Quartalen weiteres Wachstumspotenzial bieten.
Im Hardware-Bereich veranstaltet Cerebras am 18. August die jährliche Supernova-Konferenz. Wedbush erwartet, dass dies sehr wahrscheinlich den Rahmen für die Vorstellung des neuen WSE-4-Prozessors bildet (auch eine entsprechende Vorankündigung im Quartals-Call ist denkbar). WSE-4 dürfte auf Grundlage von WSE-3 einen Leistungssprung bringen und Cerebras neue Preis- und Margenmöglichkeiten eröffnen; diese positive Wirkung ist bisher nicht voll in den Prognosen eingepreist.
Institutionen bleiben optimistisch: Einzigartige Architektur umgeht Branchengrenzen
Angesichts des harten Wettbewerbs durch Nvidia (NVDA.US), AMD und Broadcom (AVGO.US) ist der Aktienkurs von Cerebras seit dem IPO um etwa 30% gefallen. Dennoch hält Wedbush vor der Quartalsveröffentlichung an seiner “Outperform”-Bewertung und dem Kursziel von 280 Dollar fest.
Analyst Bryson betont: Die langfristige Strategie von Cerebras bleibt intakt; ihr Wafer-Scale-Engine (WSE) verwendet SRAM statt der knapp verfügbaren und teuren HBM-Speicher, umgeht die Einschränkung durch CoWoS-Advanced-Packaging und setzt weiterhin auf den 5nm-Prozess anstelle des noch knapperen 3nm-Verfahrens. Da der Speicherbedarf und die Preissituation bis 2026/27 weiter angespannt bleiben, gewinnt die alternative Architektur von Cerebras weiter an Bedeutung.
Der Markt erwartet, dass das Management im aktuellen Quartalsbericht Klarheit schafft: Wann werden die neuen Kapazitäten im großen Maßstab verfügbar sein? Wann werden die OpenAI- und AWS-Verträge greifbare Umsätze liefern? Und kann die Jahresprognose gehalten oder sogar angehoben werden? Diese Antworten entscheiden, ob dieser Herausforderer unter den KI-Chip-Anbietern das Vertrauen des Marktes zurückgewinnen kann.
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