Bitcoin steht erneut unter massivem Druck. Am 28. Juli fiel die größte Kryptowährung der Welt zum dritten Mal innerhalb einer Woche unter die Marke von 64.000 Dollar – und riss dabei in nur 60 Minuten rund 100 Millionen Dollar an gehebelten Positionen mit sich. Das ist der schärfste Liquidationsstoß dieser Woche, und er trifft Trader zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.
Genau hier zeigt sich das Problem: Die Zone um 64.000 Dollar ist in der zweiten Julihälfte zum Schlachtfeld geworden. Jeder Erholungsversuch scheitert, jede Schwäche kostet Leveraged-Trader ihr Kapital.
Dritte Liquidationswelle in wenigen Tagen
Bereits am 24. Juli war ein erster Rücksetzer von knapp 67.000 Dollar auf unter 64.000 Dollar einen Liquidationsstoß von 87 Millionen Dollar ausgelöst worden – aufgeteilt in rund 70 Millionen Dollar Long-Positionen und 17 Millionen Dollar Short-Positionen. Drei Tage später scheiterte Bitcoin in drei separaten Versuchen daran, den Widerstand bei 65.500 Dollar zu überwinden, was zu weiteren 24-Stunden-Liquidationen von 75 Millionen Dollar führte.
Das aktuelle Ereignis vom 28. Juli überbietet beide Vorgänger in seiner Geschwindigkeit: Die gesamten 100 Millionen Dollar wurden innerhalb einer einzigen Stunde liquidiert – schneller als bei den beiden vorangegangenen Episoden dieser Woche. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung notierte Bitcoin bei 63.418 Dollar, ein Tagesverlust von 2,60 Prozent.
KOSPI-Einbruch verschärft den Risk-off-Modus
Die Liquidationen koinzidierten mit einem heftigen Ausverkauf an der südkoreanischen Börse: Der KOSPI verlor 8,02 Prozent – ein Rückgang von 542,24 Punkten auf 6.213,51 Zähler – und löste damit den achten Handelsunterbrechungsmechanismus des Jahres 2026 aus, ausgelöst durch einen Einbruch bei US-amerikanischen Halbleiteraktien.
Es ist kein Zufall, dass Kryptomärkte und Chip-Aktien parallel fallen. Bereits bei einem vergleichbaren KOSPI-Ausverkauf Mitte Juli – dem siebten Circuit Breaker des Jahres – fiel Bitcoin gleichzeitig auf unter 63.000 Dollar. Der Befund, der damals bereits festgehalten wurde: Bitcoin handelt zunehmend als hochbetaige Verlängerung des Tech-Sektors, nicht als unabhängiger Wertspeicher. Die technische Analyse zur Bitcoin-Preisstruktur zeigt, wie eng die aktuellen Kursniveaus an übergeordnete Trendmarken gebunden sind.
Fed-Sitzung als nächster Katalysator
Der womöglich entscheidende Katalysator steht noch aus. Die US-Notenbank unter Fed-Chef Kevin Warsh hat ihre zweitägige Sitzung am 28. Juli eröffnet – mit dem Leitzins unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent für die vierte Sitzung in Folge. Ein geldpolitisches Statement wird für den 29. Juli erwartet.
The Marriner S. Eccles Federal Reserve Board Building in Washington, D.C.
Solange weder die Fed-Entscheidung noch der geplante Abstimmungstermin zum Digital Asset Market Clarity Act sowie zwei angekündigte Bitcoin-Forks im August Klarheit bringen, bleibt die Zone um 64.000 Dollar ein Ping-Pong-Spielfeld. Options- und Leverage-Positionierungen clustern sich laut dem Primärbericht zwischen den Strikes 65.000 und 70.000 Dollar, was zeigt: Viele Marktteilnehmer wetten weiterhin auf eine Erholung, auch wenn die kurzfristigen Liquidationen den gegenteiligen Druck illustrieren.
ETF-Schwäche und Strategy-Zurückhaltung als strukturelle Bremsen
Zwei weitere Belastungsfaktoren kommen hinzu, die Händler als handfeste Gegenwindsignale werten: Schwache Spot-Bitcoin-ETF-Zuflüsse sowie die Entscheidung von Strategy Inc., 544,5 Millionen Dollar in Cash zu halten, anstatt die Bitcoin-Treasury aufzustocken. Institutionelle Kapitalflüsse in Bitcoin-ETFs gelten als Frühindikator für den Risikoappetit großer Investoren – und der zeigt derzeit klar nach unten.
Genau deshalb bleibt die Frage offen, ob 64.000 Dollar als Boden hält oder nur als temporäre Reibungsfläche fungiert: Ein nachhaltiger Ausbruch nach oben setzt voraus, dass sich ETF-Zuflüsse drehen und der makroökonomische Gegenwind nachlässt. Die aktuelle Bitcoin-Prognose zur Crash-Wahrscheinlichkeit liefert dazu eine eingehendere Einschätzung der möglichen Szenarien.
Wer jetzt überlegt, ob die aktuelle Zone eine Kaufgelegenheit darstellt, sollte vor allem auf das Fed-Statement am 29. Juli und die anschließende ETF-Flussdynamik achten – sie dürften darüber entscheiden, ob der Kurs 65.500 Dollar endlich überwindet oder erneut in Richtung der tieferen Unterstützungen bei 60.000 Dollar oder darunter abrutscht.
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Zuletzt aktualisiert am 28. Juli 2026




