Lyn Alden und Co. starten Bitcoin-Holdinggesellschaft
Mit ORANGE JUICE wollen Lyn Alden und ihre Kollegen das „Berkshire Hathaway“ für Bitcoin ins Leben rufen. Die Holdinggesellschaft soll Cashflow-positive Unternehmen übernehmen und diese mit einer Bitcoin-Treasury-Strategie verbinden. Auch ein Börsengang für ORANGE JUICE ist in Zukunft geplant.
Holdinggesellschaft mit Bitcoin auf der Bilanz
Die renommierte Analystin Lyn Alden und der Rest des Teams von Ego Death Capital, einem Bitcoin-bezogenen Venture-Capital-Fonds, starten ORANGE JUICE. Mit von der Partie sind auch Ruben Zweiban, der unter anderem bei JP Morgan Asset Management arbeitete, sowie der mexikanische Unternehmer Adrian Steckel.
ORANGE JUICE möchte kleine und mittelgroße US-amerikanische Unternehmen bei niedriger Bewertung kaufen und anschließend – falls nötig – das Geschäft verbessern. Auch bei der Neuausrichtung im KI-Zeitalter soll ORANGE JUICE zur Seite stehen.
Die Übernahmen sollen in Cash und Anteilen von ORANGE JUICE bezahlt werden, sodass vorherige Besitzer weiterhin beteiligt sein können. Anreiz dafür seien die höhere Liquidität für einen Exit sowie die potenziell hinzugewonnene Expertise.
Im Fokus von ORANGE JUICE befinden sich Unternehmen, die 1 bis 10 Millionen US-Dollar an Cashflow pro Jahr generieren – aus verschiedenen Branchen. Um Geschäftsmodelle, die leicht von KI disruptiert werden können oder einen hohen Kapitalbedarf haben, soll ein Bogen gemacht werden.
Mit einem Teil der operativen Erträge beabsichtigt ORANGE JUICE als Mutterkonzern, eine Bitcoin-Reserve aufzubauen. Hierbei soll gegebenenfalls auch Fremdkapital zum Einsatz kommen, heißt es in der Pressemitteilung.
Die von den Geschäftsbereichen erwirtschafteten Barmittel werden in Akquisitionen oder in die Bitcoin-Reserve reinvestiert, wobei der Einsatz von Fremdkapital und Kapitalmärkten konservativ gehalten wird.
Aus der Pressemitteilung
Wie Lyn Alden in einem Interview erklärte, sei ein Ziel, dass mögliche Kreditkosten für Bitcoin-Käufe locker durch die laufenden Gewinne abgedeckt werden können. Unter dem Strich soll ORANGE JUICE mehr monetäre Assets als Schulden haben.
Zu einem späteren Zeitpunkt sei sogar der Börsengang geplant.
ORANGE JUICE beabsichtigt, in Zukunft einen Börsengang anzustreben – nicht als Ausstiegsmöglichkeit, sondern um eine liquide Beteiligungswährung zu schaffen und Zugang zum Kapitalmarkt zu erhalten.
Aus der Pressemitteilung
Zunächst wurden 40 Millionen US-Dollar an Investorengeld eingesammelt, um die Strategie zu starten.
Eine Alternative zu Private-Equity-Fonds
ORANGE JUICE wird von Lyn Alden in erster Linie als ein „permanentes Kapitalvehikel“ beschrieben. Dafür zieht sie den Vergleich mit Berkshire Hathaway, der Holdinggesellschaft von Star-Investor Warren Buffett.
Die übernommenen Unternehmen sollen nämlich dauerhaft gehalten werden. Auch Berkshire Hathaway ist unter anderem in private Unternehmen investiert, auf die gezielt Einfluss genommen werden kann.
Damit grenzt sich ORANGE JUICE zudem von einem herkömmlichen Private-Equity-Fonds ab, der sich an noch nicht börsennotierten Unternehmen beteiligt, um die Anteile binnen weniger Jahre zu einem großen Gewinn weiterzuverkaufen.
Private-Equity-Fonds haben ein geplantes Enddatum und sind daher darauf ausgelegt, private Unternehmen innerhalb eines Zeitraums von typischerweise vier bis sieben Jahren zu erwerben, zu optimieren, zu hebeln und wieder zu veräußern. Im Gegensatz dazu wird ORANGE JUICE bestrebt sein, die erworbenen Unternehmen langfristig zu halten – ähnlich wie es Berkshire Hathaway, Illinois Tool Works und andere Fonds mit dauerhaftem Kapital tun. Dies schafft Anreize für das Team, die Nachhaltigkeit und Beständigkeit der Unternehmen zu optimieren.
Lyn Alden in ihrem Artikel zu ORANGE JUICE
Alden verweist zudem darauf, dass Unternehmen aus Private-Equity-Fonds tendenziell häufiger scheitern, weil sie zwecks kurzfristiger Wertoptimierung oftmals mit einer höheren Verschuldung belastet werden.
Ein vielversprechender Ansatz?
ORANGE JUICE soll einen gänzlich anderen Ansatz verfolgen als „Bitcoin Treasury Companies“ wie Strategy oder Metaplanet. Mit den operativen Erträgen der jeweiligen Geschäftsmodelle, die unabhängig von Bitcoin sein sollen, könnten sich auch insbesondere in schwachen Marktphasen die niedrigen Kurse zunutze gemacht werden.
Strategy und Co. hingegen sind ohne nennenswerte Cashflows von dem Zugang zu den Kapitalmärkten abhängig, was es ihnen in Bärenmärkten ungemein erschwert, weiterzuwachsen. Das liegt in erster Linie daran, dass die eigene Stammaktie dann tendenziell niedrig bewertet ist, womit die Neuausgabe für Bitcoin-Käufe schlecht für die Ratio „BTC je Aktie“ ist.
Twenty One Capital (XXI), der zweitgrößte börsennotierte Bitcoin-Halter, hatte sich zwar zum Ziel gesetzt, BTC-bezogene Geschäftsmodelle zu etablieren und mit operativen Erträgen die Kapitalmarktstrategie zu stützen. Doch 7 Monate nach dem Bösendebüt gibt es immer noch keinen konkreten Plan, während Jack Mallers als CEO inzwischen sogar zurückgetreten ist.
ORANGE JUICE hat grundsätzlich das Potenzial, mit einer nachhaltigeren und konservativeren Strategie zur Erfolgsgeschichte zu werden. Denn Mehrwert in der Realwirtschaft zu schaffen und Teile der erwirtschafteten Cashflows in Bitcoin zu halten, entspricht letztlich ziemlich genau der Vorstellung einer Wirtschaft auf einer Art Bitcoin-Standard.
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