Jamie Dimon warnt vor dem Anleihenmarkt: US-Staatsanleihen bieten aktuell wenig Aufwärtspotenzial, Haushaltsdefizit und Inflationsrisiken könnten zur Rückkehr der „Bond Vigilantes“ führen
⑴ Der CEO von JPMorgan, Jamie Dimon, erklärte kürzlich in einem Interview, dass er auf dem aktuellen Niveau keine US-Staatsanleihen kaufen würde. Er ist der Meinung, dass die Verschuldung und das Defizit auf einen alarmierenden Stand gestiegen sind. Historisch gesehen gehen ähnliche Daten oft mit schweren Rezessionen, Depressionen oder Kriegen einher. Dimon erwartet, dass das Problem sich schließlich zuspitzen wird, was sich etwa in steigenden Zinssätzen, Marktturbulenzen und einer Wiederbelebung der „Bond Vigilantes“ äußern könnte.⑵ Die gesamte US-Verschuldung bewegt sich bis Jahresende auf etwa 40 Billionen US-Dollar zu und steigt alle fünf bis sieben Monate um etwa 1 Billion US-Dollar. Das Bundesdefizit wird im laufenden Haushaltsjahr voraussichtlich die Marke von 2 Billionen US-Dollar überschreiten. Dimon betonte, dass selbst wenn die Inflation sich bei etwa 2% stabilisiert, die angemessene Rendite für zehnjährige Staatsanleihen bei etwa 4,5% liegen sollte und die kurzfristigen Zinssätze etwa bei 3,3%. Das aktuelle Niveau liegt bereits nahe dieser Schätzung, zudem war die Inflation in den vergangenen fünf Jahren dauerhaft über 3%. Daher könnten die US-Staatsanleihen überbewertet sein.⑶ Der Markt hat eine Zinserhöhung der US-Notenbank im September bereits eingepreist, aber über den weiteren Kurs besteht Uneinigkeit. Sollten die Ölpreise weiter steigen und die Inflationsdaten beschleunigt zunehmen, kombiniert mit anhaltender wirtschaftlicher Widerstandsfähigkeit, könnte dies einen zweiten Zinsschritt rechtfertigen und die Anleiherenditen weiter steigen lassen. Gleichzeitig werden die Kreditaufnahmepläne der Regierung und die Erwartung einer Überschreitung von 50 Billionen US-Dollar Schulden bis 2033 den Anleihemarkt weiterhin unter Druck setzen.⑷ Trotz der 39 Milliarden US-Dollar Auktion von zehnjährigen Staatsanleihen in diesem Monat, die Gebote von rund 101 Milliarden US-Dollar anzog und bei der der Anteil ausländischer Investoren 81% betrug – ein Jahreshoch beim Nachfrageverhältnis – zeigt sich weiterhin eine kurzfristige Anlagebereitschaft. Dimon warnt jedoch anhand der Erfahrungen der 1970er Jahre: Damals stieg die Inflation von 2% auf 13,5%, obwohl das Defizit niedriger und der Vietnamkrieg beendet war, konnten zwei Ölkrisen und die Stärke der Gewerkschaften den Preisauftrieb nicht verhindern. Die Frage, ob sich die aktuelle Lage wiederholt, sei nachdenkenswert.
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