Die Kurse von Aktien mit dem Konzept "Speicherchips" kühlen ab, der Philadelphia Semiconductor Index ist in einen technischen Bärenmarkt gefallen. Analysten: Die Markterwartungen sind der Realität deutlich voraus.
Nach einem durch den Boom bei Speicherchips ausgelösten Kurssprung erlebte der US-amerikanische Halbleitersektor eine deutliche Korrektur.
Germania Finanz APP berichtet, dass nach einem durch die Entwicklung im Speicherchip-Segment ausgelösten starken Anstieg der US-Halbleitersektor eine deutliche Korrektur erfahren hat. Der Philadelphia Semiconductor Index fiel am Freitag im Handelsverlauf zeitweise um 5,7 %, verringerte den Rückgang jedoch bis Handelsschluss auf 1,6 %. Seit dem Allzeithoch Ende Juni beträgt das kumulierte Minus nun 20 %, womit der Index offiziell in einen technischen Bärenmarkt eintritt.
Zuvor war der Index vom Tiefpunkt im März bis zum Hoch Ende Juni um insgesamt 105 % gestiegen und hatte sich innerhalb von nur drei Monaten verdoppelt. In jüngster Zeit fielen jedoch mehrere prominente Chipwerte kontinuierlich zurück: Micron Technology (MU.US), Arm Holdings (ARM.US) und Intel (INTC.US) haben jeweils mehr als 30 % von ihren Höchstständen verloren.
James Abate, Leiter der Fundamentalstrategie bei Horizon Investments, erklärte, dass obwohl die fundamentalen Bedingungen der Branche weiterhin stark sind, die Aktienkurse wesentlich schneller gestiegen sind als die tatsächliche Verbesserung der fundamentalen Daten. Der Halbleiterindex zeigte zuvor einen nahezu parabolischen Anstieg, weshalb die jetzige Korrektur nicht überraschend kommt.
Zur selben Zeit nehmen die Sorgen um die Nachhaltigkeit des Investitionsbooms im Bereich AI wieder zu. Investoren stellen die Frage, ob Microsoft (MSFT.US), Amazon (AMZN.US), Meta (META.US) und andere Hyperscaler ihre milliardenschweren Investitionen in AI-Infrastruktur langfristig aufrechterhalten können. Darüber hinaus führen die anhaltend hohen Bewertungen im Halbleitersektor zu Bedenken, dass der Kursanstieg bereits zukünftiges Wachstum vorweggenommen hat.
Muneeb Muzaffar, Senior Portfolio Manager bei Bold Wealth Partners, äußerte, dass die fundamentalen Daten der Branche zwar weiterhin stark sind, die Markterwartungen aber deutlich der Realität vorausgeeilt seien. Die derzeitigen Bewertungen spiegeln das optimistischste Wachstums-Szenario wider. Anleger beginnen nun, die tatsächlichen Gewinne der Chip-Unternehmen neu zu bewerten und zu hinterfragen, ob die bisher zu hohen Wachstumserwartungen angepasst werden müssen.
In den kommenden Wochen steht die AI-Wertschöpfungskette vor einem kritischen Prüfungszeitraum. Alphabet (GOOGL.US) wird am 22. Juli nach Börsenschluss als erstes die Quartalszahlen veröffentlichen. Microsoft (MSFT.US), Amazon (AMZN.US) und Meta (META.US) werden in der darauffolgenden Woche ihre Berichte präsentieren. Die Investitionspläne für AI-Kapitalausgaben und deren Rendite werden dabei im Mittelpunkt des Marktinteresses stehen.
Muzaffar sagte, der Markt müsse sehen, dass Investitionen der Hyperscaler in AI klarere Renditen liefern. Solange die Investitionen weiterhin validiert werden, werden die betreffenden Unternehmen weiter investieren und Chip-Hersteller profitieren. Allerdings machen die aktuell hohen Bewertungen, die Marktstimmung und Kapitalflüsse die kurzfristige Entwicklung des Sektors komplexer.
Als eines der führenden Segmente der aktuellen Rallye bleibt das Segment der Speicherchips ebenfalls nicht verschont. Da Sorgen aufkommen, ob das Angebot mit der schnell wachsenden AI-Nachfrage Schritt halten kann und ob das Gewinnwachstum auf hohem Niveau bleibt, ist der Kurs von Micron Technology (MU.US) seit dem Hoch um insgesamt 30 % gefallen. Western Digital (WDC.US) und SanDisk (SNDK.US) haben jeweils über 35 % verloren.
Der südkoreanische Samsung Electronics veröffentlichte Anfang dieses Monats Quartalszahlen, die einen Gewinnzuwachs um das 19-fache zum Vorjahr zeigen. Da der Aktienkurs im laufenden Jahr jedoch bereits um etwa 150 % gestiegen war, wurden die Erwartungen des Marktes nicht erfüllt, woraufhin die Aktie deutlich zurückfiel.
Auch der weltweite Marktführer im Halbleiter-Auftragsfertigung, TSMC (TSM.US), verzeichnete Gewinnmitnahmen. Obwohl das Unternehmen in dieser Woche die Prognosen für die jährlichen Investitionen und Umsätze anhob, fiel der Aktienkurs an sieben aufeinanderfolgenden Handelstagen um insgesamt 8,8 %, der längste Rückgang seit Juli 2022.
Betrachtet man jedoch die Gesamtentwicklung im laufenden Jahr, so hat der Halbleitersektor den Gesamtmarkt weiterhin deutlich übertroffen. Bis jetzt hat der Philadelphia Semiconductor Index seit Jahresbeginn etwa 65 % zugelegt, deutlich mehr als die rund 9 % des S&P 500 Index. Laut den von Analysten aggregierten Zielkursen für die 30 Index-Mitglieder wird weiterhin erwartet, dass der Index in den nächsten zwölf Monaten um rund 34 % steigen könnte.
Abate kommentierte, dass Anleger angesichts der aktuellen Korrektur nicht übermäßig in Panik geraten müssen. "Selbst wenn der Index jetzt 20 % unter dem Höchststand liegt, entspricht das gerade einmal dem Niveau vom Mai, eine Überreaktion ist nicht nötig."
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