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KI-Schock an den Märkten – Bitcoin gerät wieder unter Druck

KI-Schock an den Märkten – Bitcoin gerät wieder unter Druck

BlocktrainerBlocktrainer2026/07/17 15:27
Von:Blocktrainer

Nachdem Bitcoin am Mittwoch dieser Woche noch auf das höchste Niveau seit dem 17. Juni steigen konnte, geht es jetzt wieder deutlich bergab. Der Grund dürfte in erster Linie der KI-Schock an den Aktienmärkten sein, dem sich BTC offenbar nicht gänzlich entziehen kann.

Erholungsrally nur von kurzer Dauer

Am Montag dieser Woche standen die Gesamtmärkte bereits erheblich unter Druck. Im Rahmen der neuen Eskalationen zwischen den USA und dem Iran kamen nämlich wieder einmal Inflationssorgen auf. Der Iran erklärte die Straße von Hormus am Wochenende wieder für geschlossen, woraufhin die USA die Seeblockade iranischer Häfen erneut errichteten.

US-Präsident Donald Trump verkündete dann auch noch Gebühren in Höhe von 20 % des Frachtwerts der Schiffe, dafür, dass die USA die Schifffahrt durch die für den Ölhandel so wichtige Meerenge gewährleisten würden. Einen Tag darauf ruderte er zurück und erklärte, dass die betroffenen Länder mittels Investitionen in die USA bezahlen sollen.

Die Entwicklungen im Irankrieg waren aber nur für kurze Zeit von Bedeutung für die Wall Street. Denn am Dienstag und Mittwoch wurden besser als erwartete Inflationsdaten gemeldet, während sich wieder abzeichnete, dass beide Parteien eigentlich an einer Einigung interessiert sein müssten – obwohl die gegenseitigen Angriffe bislang weitergehen.

Am Dienstag wurde eine Inflationsrate für den Monat Juni in Höhe von 3,5 % gemeldet – 3,8 % wurden erwartet.

Im Vormonatsvergleich gab es zum ersten Mal seit Mai 2020 sogar einen Rückgang des Preisniveaus.

Auch bei der für die Federal Reserve so wichtigen Kerninflation kam es zu einer positiven Überraschung. Diese fiel mit 2,6 % nämlich ebenfalls niedriger aus als befürchtet (2,8 %).

CPI -0.4% MoM, Exp. -0.1
CPI Core 0.0% MoM, Exp. 0.2%

CPI 3.5% YoY, Exp. 3.8%
CPI Core 2.6% YoY, Exp. 2.8%

— zerohedge (@zerohedge) July 14, 2026

PPI -0.3% MoM, Exp. 0.0%
PPI Core 0.2% MoM, Exp. 0.3%

PPI 5.5% YoY, Exp. 6.2%
PPI Core 4.7% YoY, Exp. 5.1%

— zerohedge (@zerohedge) July 15, 2026

Die am Mittwoch gemeldeten Erzeugerpreise lagen dann auch deutlich unter den Erwartungen. 

Im Vorjahresvergleich stiegen die Produzentenpreise um 5,5 % – erwartet wurden 6,2 %. 

Die Kernrate betrug derweil 4,7 %, während die Schätzungen bei 5,1 % lagen.

In Reaktion auf diese Zahlen sank die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Federal Reserve in diesem Jahr den Leitzins anheben wird, deutlich – von über 70 auf 52 %.

Bitcoin konnte davon profitieren und am Mittwoch in der Spitze auf 65.560 US-Dollar und damit ein 4-Wochen-Hoch steigen.

Doch an den Aktienmärkten setzte zu diesem Zeitpunkt schon eine Schwäche ein, die offenbar nicht auf den Irankrieg oder mögliche Zinsanhebungen zurückzuführen war. Die Ölpreise sowie die Wahrscheinlichkeit für Zinsanhebungen in diesem Jahr legten nämlich nicht nennenswert weiter zu.

Vielmehr lag es daran, dass KI-bezogene Unternehmen deutlich im Kurs gefallen sind, wodurch Aktienindizes wie der Nasdaq 100 unter Druck gerieten. Gegen Ende der Woche verschärfte sich dieser Abverkauf und zog dann auch BTC mit nach unten.

Interessanterweise schwächelten zeitgleich auch Gold und Silber. Beide Edelmetalle kämpften in dieser Woche mit ihren Jahrestiefs – Silber rutschte sogar schon unter den bisherigen Tiefstand.

Gold handelt aktuell knapp 30 % unter dem im Januar erreichten Allzeithoch, während es bei Silber über 50 % sind.

KI-Sorgen drücken auf die Aktienmärkte

Der Hauptgrund für die Schwäche an den Aktienmärkten gegen Ende der Woche scheint die neu aufflammende Sorge rund um KI-bezogene Aktien zu sein.

Der südkoreanische Aktienindex KOSPI, der in den vergangenen Monaten in erster Linie von den beiden KI-Gewinnern Samsung und SK Hynix getrieben wurde, fiel seit dem Allzeithoch vom 19. Juni bereits um mehr als 30 %.

Die historisch höchste Volatilität des Index scheint derweil sehr viele Anleger auf dem falschen Fuß erwischt zu haben. In Medienberichten heißt es, dass schätzungsweise über 320.000 bis 360.000 Konten liquidiert wurden. Jeder 30. erwachsene Koreaner soll einen „Margin Call“ erhalten haben.

Auch der Technologieindex Nasdaq 100 geriet im Zuge der KI-Sorgen unter Druck. Am Donnerstag fiel der Aktienindex um 1,64 % und startete heute in den Handelstag mit einem Minus von zusätzlich mehr als 2 %.

Ein Auslöser für diesen Abverkauf scheint eine Meldung aus China zu sein. Das Start-up Moonshot AI präsentierte nämlich ein neues Open-Source-KI-Modell, das mit den besten Modellen von Anthropic oder OpenAI mithalten soll.

Da – so wie auch bei dem DeepSeek-Schock damals – die Chinesen diese Fortschritte mit weitaus weniger Mitteln zu erreichen scheinen, hinterfragt man an der Wall Street umso mehr die Nachhaltigkeit und Sinnhaftigkeit der großen KI-Investitionen der Big Player.

Bitcoin zeigte sich gestern zunächst noch weitgehend unbeeindruckt. Die US-amerikanischen Bitcoin-Spot-ETFs verzeichneten sogar Nettozuflüsse in Höhe von 79,1 Millionen US-Dollar. Doch am Donnerstag gab es letztlich doch noch Kursverluste, die sich heute weiter fortsetzten.

BTC handelte zum US-Börsenstart nur noch bei circa 62.500 US-Dollar und damit fast 5 % unter dem Hoch dieser Woche.

Kann sich Bitcoin doch noch behaupten?

Auch wenn die KI-Sorgen Bitcoin selbst nicht berühren, kommt es häufig vor, dass das Asset von Gegenwind an den traditionellen Märkten mit nach unten gerissen wird. So kann sich BTC auch jetzt nicht komplett von diesem Abverkauf bei den KI-, Halbleiter- und Memory-Aktien loslösen.

Das Problematische an Bitcoins Korrelation mit Technologieaktien ist, dass diese am robustesten zu sein scheint, wenn es nach unten geht. Als der KI-Hype den Nasdaq 100 im ersten Halbjahr auf neue Höchststände katapultierte, ging es bei BTC nämlich steil bergab.

Ein oft genannter Grund in diesem Kontext war, dass viele Anleger offenbar Kapital aus anderen Sektoren abziehen, um es in die KI-Gewinner zu investieren. Dieses Narrativ wurde insbesondere befeuert, als Bitcoin kurz vor dem IPO von SpaceX deutlich nachgab.

Die Hoffnung war entsprechend, dass es wieder eine Kapitalrotation zurück zu BTC geben könnte, wenn der KI-Hype abflauen sollte. Doch auch wenn Bitcoin seit Monatsauftakt zulegen konnte, während der Nasdaq 100 seither um mehr als 5 % gefallen ist und SpaceX unter dem IPO-Kurs handelt, lässt sich nicht wirklich behaupten, dass BTC von dem KI-Abverkauf profitieren würde.

Ob beziehungsweise wann der Markt verstehen wird, dass Bitcoin eigentlich getrennt von spekulativen Technologieaktien zu betrachten ist, muss die Zukunft zeigen. Möglicherweise gelingt jetzt im Zuge der KI-Sorgen doch noch die langersehnte Entkopplung.

Eine große Sorge bleibt aber auch, dass Bitcoin bei einer potenziell bevorstehenden größeren Korrektur an den Aktienmärkten nur umso mehr leiden wird – auch wenn die Federal Reserve dann möglicherweise dem Markt wieder mit Liquidität unter die Arme greifen würde, wovon BTC bislang immer am stärksten profitierte.

Letztlich ist festzuhalten, dass sich die geldpolitische Aussicht in dieser Woche deutlich verbessert hat, während Bitcoin auf fundamentaler Ebene noch genauso gut ist wie zum bisherigen Allzeithoch von Oktober 2025, als ein Coin mehr als 126.000 US-Dollar kostete.

Das in Kombination mit der Tatsache, dass Bitcoin bereits um mehr als 50 % korrigiert hat, während die Aktienmärkte generell noch nahe ihrer Höchststände notieren, bietet eigentlich eine gute Grundlage für Umschichtungen zugunsten von BTC.

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Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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