Eigene Chips können die Erwartungen nicht erfüllen: Apple setzt auf Übernahmen, um die AI-Server-Krise zu lösen
Apples eigene M2 Ultra Server-Chips sind nicht in der Lage, das Google Gemini Large Language Model zu betreiben, sodass die neue Version von Siri gezwungen ist, auf Google Clouds Nvidia-GPUs zurückzugreifen. Der nächste Serverchip, Baltra, wurde bereits verschoben, und der wirklich wettbewerbsfähige M7 Ultra wird erst 2029 einsatzbereit sein. Um die technologische Lücke zu schließen, hat Apple kürzlich aktiv den Kontakt zu mehreren Chip-Start-ups gesucht und Gespräche mit Investmentbankern über mögliche Übernahmen geführt.
Apples Erfolg im Bereich Consumer-Chips hat sich nicht auf AI-Server ausgeweitet – dieses Defizit zwingt das Unternehmen nun zum Schritt in Richtung Übernahmen.
Apple sucht derzeit nach dem Kauf von Chip-Unternehmen, um Defizite bei seiner AI-Server-Kapazität auszugleichen. Laut dem neuesten Bericht von The Information hat Apple in den vergangenen Monaten mit Bankern über potenzielle Deals gesprochen und proaktiv diverse Halbleiter-Startups kontaktiert, um deren Verkaufsbereitschaft auszuloten.
Der unmittelbare Auslöser dieser Entwicklung ist: Apples eigens entwickelter M2 Ultra Server-Chip kann das große Gemini-Modell von Google nicht ausführen, was dazu geführt hat, dass einige Funktionen der neuen Siri-Version über Google Cloud und auf Nvidia-GPUs laufen müssen.
Das Verhältnis zwischen Apple und Nvidia ist traditionell angespannt. Berichten zufolge halten einige Apple-Manager Nvidia für "schwer zu kooperieren". Doch nun ist man gezwungen, auf deren Chips zurückzugreifen – eine für das Apple-Management ziemlich passive Situation.
M2 Ultra ist überfordert, Baltra verzögert sich erneut
Die AI-Server von Apple laufen derzeit auf dem M2 Ultra Chip. Dieser Chip war ursprünglich für Mac entwickelt worden und ist mit enorm großen Modellen wie Gemini schlicht überfordert.
Laut Insidern versuchte Apple Anfang dieses Jahres, das Google Gemini-Modell auf der eigenen Server-Infrastruktur für die neue Siri-Version einzusetzen, doch "diese Chips sind mit solch riesigen Modellen völlig überfordert". Letztlich sah sich Apple gezwungen, die damit verbundenen Workloads auf Nvidia-Chips in der Google Cloud auszulagern.
Das Problem liegt darin, dass sich Apples Chip-Team lange auf die Energieeffizienz mobiler Geräte konzentriert hat, während die Kernanforderungen für AI-Serverchips völlig andere sind: hoher Stromverbrauch, hohe Parallelität und große Speicherbandbreite. Das sind zwei unterschiedliche technologische Ansätze.
Ursprünglich hatte Apple gehofft, das Problem mit dem für dieses Jahr geplanten AI-Serverchip der nächsten Generation namens "Baltra" zu lösen. Doch Insidern zufolge ist das Projekt bereits verschoben worden.
Erst 2029 aufgeholt – wie kann Apple das aktuelle Defizit überbrücken?
Laut Bloomberg arbeitet Apple derzeit an einem Server-Upgrade auf Basis des M5 Ultra als Zwischenlösung. Viel Hoffnung ruht auf dem künftigen, weitaus wettbewerbsfähigeren M7 Ultra, der mit bis zu 1,5 TB maximaler Speicherkapazität – etwa doppelt so viel wie beim M5 Ultra – und voraussichtlich einer Leistungsfähigkeit auf Augenhöhe mit Nvidias Blackwell-Chip überzeugen soll.
Doch die Server-Variante des M7 Ultra wird erst 2029 einsatzbereit sein.
Das bedeutet für Apple eine mindestens dreijährige technologische Lücke. In dieser Zeit wird der KI-Wettbewerb nicht pausieren. Die Übernahme eines Startups mit Serverchip-Expertise ist der direkteste Weg, diese Lücke zu schließen.
Apple sucht zudem nach anderen Wegen. Laut The Information arbeitet Apple seit 2024 gemeinsam mit Broadcom an der Entwicklung von AI-Serverchips. Broadcom gab vergangene Woche in einem Wertpapierdokument bekannt, dass die "langfristige technologische Zusammenarbeit bis 2031 ausgeweitet wird" – über die konkreten Inhalte wurde jedoch nichts veröffentlicht.
Apples Übernahmepolitik wird aufgelockert
Apple war in der Vergangenheit bei großen Übernahmen stets zurückhaltend. Die bislang größte Akquisition war 2014 der Kauf von Beats Electronics für drei Milliarden US-Dollar.
Doch in diesem Jahr wurden diese Grundsätze aufgeweicht.
Im Januar 2024 kaufte Apple das israelische Startup Q.ai für fast zwei Milliarden US-Dollar – die zweitgrößte Übernahme in Apples Firmengeschichte. Q.ais Technologie erlaubt eine Auswertung sprachlicher Inhalte anhand minimaler Gesichtsausdrücke.
Auch auf der Ebene der Finanzpolitik gibt es Signale: Im Conference Call zu den Ergebnissen des zweiten Quartals kündigte Finanzchef Kevan Parekh an, dass Apple die langjährige Politik der "Netto-Cash-Neutralität" – also die Balance aus Bargeldreserven und Gesamtverschuldung – aufgeben werde. Apple nannte keine Gründe für das Ende dieser Politik, doch The Information hält es für denkbar, dass ein Teil der Barmittel für größere Übernahmen eingeplant wird.
Auch Apples Einstieg in die Chip-Entwicklung begann mit einer Übernahme. 2008 kaufte der Konzern für 278 Millionen US-Dollar das Startup PA Semi und schuf damit die Grundlage für über ein Jahrzehnt der eigenen Chipentwicklung.
Personalwechsel könnten zu mutigeren Übernahmen führen
Apple steht kurz vor einem Führungswechsel. Im September wird Hardware-Chef John Ternus CEO und damit Tim Cook ablösen. Zeitgleich wird Chip-Chef Johny Srouji zum Gesamtverantwortlichen der Hardware-Entwicklung befördert; das Halbleitergeschäft bleibt weiterhin in seinem Zuständigkeitsbereich.
Mit dem neuen Führungsteam kommt wohl auch eine ausgeprägtere Akquisitionsbereitschaft.
Das operative Tagesgeschäft der Übernahmen liegt bei Steve Smith, der an den Vice President für Unternehmensentwicklung Adrian Perica berichtet. Neben Serverchips schaut sich Apple nach Angaben von The Information auch gezielt nach AI-Unternehmen um, deren Technologien Modelle komprimieren und damit AI-Modelle besser für den Betrieb auf dem iPhone anpassen können.
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