Dreimal in Folge gefallen! SpaceX steht kurz davor, unter den Ausgabepreis zu rutschen, während die Aktionärssperrfrist bald ausläuft
SpaceX ist erst wenige Wochen nach dem Börsengang, doch der Aktienkurs steht bereits unter Druck. Nach drei aufeinanderfolgenden Handelstagen mit Verlusten steht das Raketen- und Satellitenunternehmen von Elon Musk kurz davor, den IPO-Ausgabepreis zu erreichen. Das Vertrauen in den bislang größten Börsengang aller Zeiten wird auf eine harte Probe gestellt.
Die SpaceX-Aktie fiel am Dienstag um 2,2% und schloss bei 136,08 US-Dollar je Aktie – nur 1 Dollar über dem IPO-Ausgabepreis von 135 US-Dollar im vergangenen Monat. Seit dem bisherigen Höchststand nach dem Börsengang ist die Aktie um rund ein Drittel gefallen, wodurch der Marktwert der Firma um nahezu 850 Milliarden Dollar geschrumpft ist.
Ein Kursrückgang unter dem Ausgabepreis ist für ein frisch börsennotiertes Unternehmen nicht nur eine numerische Niederlage, sondern auch ein direkter Schlag gegen das sorgfältig aufgebaute Marktnarrativ von Unternehmen und Banken. Bereits zum Börsenstart geraten die Aktionäre in Verlust, manche Aktien erholen sich von diesem Moment an nie mehr. Gleichzeitig beginnt demnächst das Entsperren von Anteilen für Unternehmensinsider, wodurch der Angebotsdruck auf den Markt weiter steigt.
Drei Abwärtsbewegungen treiben den Kurs zum Ausgabepreis
SpaceX ging am 12. Juni an der Nasdaq an die Börse, der Schlusskurs am ersten Handelstag lag bei 160,95 US-Dollar und markierte einen Rekord für die größte Finanzierung eines US-IPO. Doch der Kurs kam unter Druck, nach drei aufeinanderfolgenden Verlusttagen ist der Preis nun unter das Ausgangsniveau des ersten Handelstags gefallen und nähert sich der Ausgabepreis-Marke von 135 US-Dollar.

Ken Mahoney, CEO von Mahoney Asset Management, sagt: „Wir sind der Meinung, dass SpaceX den Tiefpunkt noch nicht erreicht hat. In den kommenden Monaten wird es einen stetigen Zustrom von Aktien ins Markt geben, und es gilt zu beobachten, ob die Nachfrage damit Schritt halten kann.“
Bloomberg berichtet, dass die gewichtete Gesamtrendite für US-IPOs im Jahr 2026 – bereinigt um Akquisitionszweckgesellschaften – auf 5,3% gesunken ist, wobei SpaceX einer der Hauptverantwortlichen ist. Die Gesamtrendite dieses Segments liegt etwa bei der Hälfte der Gleichzeitigen Entwicklung im S&P 500.
Doppelte Risiken durch hohe Bewertung und Entsperrungsdruck
Die Bedenken der Märkte gegenüber SpaceX gründen nicht nur auf die kurzfristigen Kursbewegungen, sondern auch auf das hohe Bewertungsniveau und den Angebotsdruck durch Aktienfreigaben.
Aus Bewertungssicht liegt das erwartete Kurs-Umsatz-Verhältnis von SpaceX aktuell bei über 30, was zu den höchsten im Nasdaq 100 zählt, nur knapp hinter Palantir Technologies Inc. Skeptiker meinen, dieses Niveau bietet dem Aktienkurs kaum Sicherheitsmarge.
Zudem gibt es im Unternehmen eine längere Sperrfrist für Insider-Anteile; die Freigaben erfolgen etappenweise über die kommenden Monate. Ken Mahoney weist darauf hin, dass die fortlaufenden Freigaben den Kurs weiter belasten werden – gerade dann, wenn die Nachfrage unsicher bleibt.
Wall-Street-Analysten bleiben optimistisch, der Markt entscheidet anders
Trotz der Kursverluste halten die Wall-Street-Analysten an einer insgesamt positiven Einschätzung fest. Nach Bloomberg-Daten haben über zehn Investmentbanken wie Morgan Stanley, JPMorgan und Goldman Sachs den Wert mit Kaufen eingestuft. Über 80% der Analysten empfehlen aktuell den Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 236,25 US-Dollar und damit über 70% höher als der Schlusskurs am Dienstag.
Die Diskrepanz zwischen Marktentwicklung und Analystenerwartungen spiegelt die Vorsicht der Investoren gegenüber hochbewerteten Neuemissionen wider. Die Bloomberg-Analyse von 30 Technolgie-IPO der letzten 15 Jahre zeigt, dass diese Aktien im ersten Jahr nach dem Börsengang durchschnittlich bis zu 55% vom Hoch gefallen sind, was die verbreiteten starken Kursschwankungen bei Neueinführungen belegt.
SpaceX ist übrigens nicht das einzige große IPO in diesem Jahr, dessen Kurs unter den Schlusskurs des ersten Tages gefallen ist. Bloomberg berichtet: Bei zehn der größten IPO dieses Jahres handelt es sich bereits bei sechs um Werte, die unter ihrem ersten Schlusskurs liegen – auch das zeigt die Volatilität zum Rekordstartjahr für Börsengänge.
Kursrückgang könnte Schnäppchenjäger anziehen, manche Investoren beobachten
Der Kursrückgang nahe dem Ausgabepreis eröffnet möglicherweise neue Chancen. Für Anleger, die an der Zeichnung des IPO nicht teilnehmen konnten, könnte die Marke von 135 US-Dollar einen attraktiven Einstiegspunkt darstellen.
Talley Leger, Chefmarktstratege bei Wealth Consulting Group, erklärt: Er hat das IPO beobachtet, erwartet aber, dass SpaceX bald in den Nasdaq-Index aufgenommen wird – sein Unternehmen hält einen Fonds, der den Index trackt. „Falls die Abwärtsbewegung anhält, könnte ich einige Einzelaktien kaufen, denn ich unterstütze die Vision und Ziele dieses Unternehmens“, sagt Leger.
SpaceX wurde vergangene Woche nach der Schnellaufnahme-Regel dem Nasdaq 100 beigefügt. Investoren und Banken beobachten gespannt die Kursentwicklungen von SpaceX und dem koreanischen Chip-Hersteller SK Hynix Inc. (US-ADR), die beide innerhalb eines Monats mit Rekord-IPOs an die Börse gingen.
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