Die Kaufkraft für Gold zieht sich zunehmend schneller zurück
Seit Ende Mai ist der London-Goldpreis unter dem Einfluss der erwarteten restriktiven Geldpolitik der US-Notenbank und der wiederholten Konflikte zwischen den USA und Iran weiter gefallen und hat sich bei etwa 4000 USD/Unze gehalten. Gleichzeitig gab es in diesem Prozess auch Veränderungen im Verhalten der Marktteilnehmer, wobei die Kaufkraft für Gold deutlich abgenommen hat.
Der ohnehin geringe Goldinteresse der internationalen Märkte führte diesen Trend an. Laut Daten des World Gold Council verzeichneten globale Gold-ETFs im Juni Nettoabflüsse von 8,9 Milliarden USD (74 Tonnen), was den zweithöchsten monatlichen Abfluss in der Geschichte darstellt.
Im März erlebten globale Gold-ETFs noch einen Rekordnettoabfluss von 11,7 Milliarden USD, wobei damals hauptsächlich die USA einen Rückgang verzeichneten (-13,5 Milliarden USD), während Anleger aus europäischen und asiatischen Ländern im Allgemeinen abwarteten oder Gold-ETFs sogar aufstockten.Doch im Juni wurden in den drei Hauptmärkten Nordamerika, Asien und Europa Nettoabflüsse verzeichnet. Im Detail: Nur indische Anleger stockten Gold-ETFs um 400 Millionen USD auf, während Anleger aus den USA (-5,3 Milliarden USD), Deutschland (-400 Millionen USD), Frankreich (-400 Millionen USD), Japan (-300 Millionen USD), Kanada (-200 Millionen USD) allesamt Gold-ETFs verkauften.
Im Vergleich zum März, als der Abverkauf in einem einzelnen Land durch die Liquiditätskrise an den US-Aktienmärkten ausgelöst wurde, ist die aktuelle Abverkaufswelle deutlich breiter. Dies zeigt, dass vor dem Hintergrund hoher Realzinsen spekulative Gelder weltweit zunehmend ihre Gewinne realisieren und ihr Long-Engagement in Gold reduzieren.
Im Juni verzeichneten globale Gold-ETFs den zweithöchsten monatlichen Nettoabfluss der Geschichte
Im Juni gab es in den meisten Ländern weltweite Nettoabflüsse bei Gold-ETFs
Auch der heimische Markt bestätigt diesen Stimmungswandel. Ein wichtiges Signal: Im Juni führte der Nettoabfluss durch Ein- und Auszahlungen bei chinesischen Gold-ETFs zu einem erheblichen Rückgang des Bestands um 17,1 Tonnen auf 276,8 Tonnen – das höchste Einzelmonats-Nettoabfluss der Geschichte.
Seit dem Jahr 2026 fungierten heimische Anleger am Goldmarkt stets als Unterstützer beim Kauf in Kursrückgängen. Nach einer deutlichen Korrektur des Goldpreises in den Monaten Februar, März und April stieg das Volumen der heimischen Gold-ETFs weiter an, da zahlreiche Anleger auf Schnäppchenjagd gingen. Doch seit Ende Mai begann das Kapital aus heimischen Gold-ETFs schrittweise abzuziehen, und der Abfluss beschleunigte sich spürbar, nachdem der Goldpreis Anfang Juni die 200-Tage-Linie unterschritt.
Die schwache Kursentwicklung von Gold, die kraftlosen Gegenbewegungen und der starke Renminbi, der dazu führt, dass die heimischen Goldpreise stärker fallen als die internationalen Preise, haben die zuvor entschlossenen heimischen Käufer spürbar ausgebremst.
Seit Ende Mai sinkt der Bestand heimischer Gold-ETFs schnell
Betrachtet man die Entwicklung des heimischen Gold-ETF-Bestands, so waren Oktober 2025 und Januar bis März 2026 zwei Phasen schnellen Wachstums. In diesen Zeiträumen lag der London-Goldpreis bei 3900–4400 bzw. 4600–5600 USD, was größtenteils über dem aktuellen Niveau liegt. Da viele Privatanleger auf hohen Kursen eingestiegen sind und bei Gegenbewegungen tendenziell ihre Positionen reduzieren, wird auch das Ausmaß möglicher Kursanstiege begrenzt.
Zum Schluss: Im Kontrast zum Rückzug der ETF-Gelder bleibt der Zentralbank-Goldkauf eine wichtige Stütze des Marktes. Laut Daten des World Gold Council kauften die Zentralbanken weltweit im Mai netto 41 Tonnen Gold – die Kaufintensität nahm marginal zu, wobei Polen (+18 Tonnen), China (+10 Tonnen) und Usbekistan (+9 Tonnen) die größten Käufer waren. Aus den bereits veröffentlichten Juni-Daten geht hervor, dass die chinesische Zentralbank ihren Bestand um 15 Tonnen aufgestockt hat. Zentralbank-Käufe bieten mittelfristig eine gewisse Unterstützung für Gold, doch allein auf Zentralbankkäufe kann sich die Hoffnung auf einen echten Rebound oder gar eine Trendumkehr nicht stützen.
Globale Zentralbankkäufe von Gold steigen im April und Mai wieder an
Insgesamt zeigt sich seit Ende Mai ein Muster im Goldmarkt: "Portfolio-Käufe halten sich zurück, Spekulanten zeigen wenig Interesse", sowohl im In- als auch im Ausland ebbt die Kaufkraft deutlich ab, die Marktaktivität und Diskussionen lassen nach. Das kurzfristige Szenario wird voraussichtlich von Seitwärtsbewegungen geprägt sein – eine Trendwende dürfte schwierig bleiben, solange sich die Zinserwartungen nicht grundlegend ändern.
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