Hat der Storage seinen Höhepunkt erreicht?
Morgan Stanley ist der Ansicht, dass die globale Speicherchipbranche sich dem „Höhepunkt der Veränderungsrate“ (Peak rate of change) nähert, was jedoch nicht das Ende des Zyklus bedeutet.
Laut Nachrichten von Trading Desk verfolgen, äußerten die Morgan Stanley Asien-Pazifik-Technologieanalysten Shawn Kim und Ryan Kim in ihrem Bericht vom 6. Juli, dass es derzeit drei zentrale Streitpunkte am Markt für Speicherchips gibt:Ob der Preisanstiegzyklus seinen Höhepunkt erreicht hat, warum langfristige Vereinbarungen (LTA) keine Neubewertung der Bewertungen bewirken, und ob dies tatsächlich der Zyklusgipfel oder eine Konsolidierung im Bullenmarkt ist. Die Kernaussage des Berichts lässt sich in einem Satz zusammenfassen:Die Veränderungsrate des Preisanstiegs (rate of change) erreicht einen Höhepunkt, aber der Zyklus selbst ist noch nicht vorbei.
Morgan Stanley meint, dass mit der Gerüchten zufolge beginnenden Veräußerung überschüssiger Rechenleistung durch den größten Käufer von AI-Compute und dem verstärkten Bedürfnis der Unternehmen nach „Token-Minimierung“ (Token minimization) das Aufwärtsmomentum des Speichersektors zunehmend schwächer wird.
Das bedeutet, dass vor der kommenden Berichtssaison die betreffenden Aktien kurzfristig unter Preisflaute und sehr hoher Volatilität leiden werden. Der Markt ist aktuell extrem überfüllt, und das Kapital bereitet sich auf einen Turnaround in bislang stagnierenden Sektoren vor. Die grundsätzliche Empfehlung von Morgan Stanley lautet:Langfristig weiterhin bullisch (für 2027 wird ein Gewinnwachstum von 35-40 % erwartet), kurzfristig jedoch auf eine Korrektur achten.

Drei zentrale Streitpunkte: Worüber diskutiert der Markt?
Morgan Stanley weist darauf hin, dass in den Gesprächen mit Investoren in der vergangenen Woche immer wieder drei zentrale Streitpunkte aufgekommen sind, die den aktuellen Kursverlauf des Speichersektors maßgeblich erklären.
Streitpunkt 1: Ist die Rechenleistung wirklich überschüssig?
Am Markt kursiert das unbestätigte Gerücht, dass einer der größten AI-Investoren über überschüssige Rechenleistung zum Verkauf verfügt. Die Interpretation der Bären lautet: Wenn Hyperscaler über zu viel Compute verfügen, könnte der gesamte Aufbau der AI-Infrastruktur über den Bedarf hinausgehen. Morgan Stanley liefert jedoch eine andere Lesart: Es geht lediglich um Unternehmen, die ihren Kapitalertrag optimieren und ungenutzte Infrastruktur monetarisieren; dies ist nicht gleichbedeutend mit tatsächlich überschüssiger Rechenleistung.
Der eigentliche Moment der Überprüfung wird die Berichtssaison im zweiten Quartal 2026 sein— sollten die Hyperscaler ihre Guidance für Investitionen beibehalten oder erhöhen, ist das ein guter Einstiegszeitpunkt für Speicheraktien; senken sie die Guidance, wird das Überschuss-Narrativ weiter an Fahrt gewinnen.
Streitpunkt 2: Die Kontroverse zwischen "Maximierung" und "Minimierung" des Tokenverbrauchs
Beim Einsatz von AI-Anwendungen entsteht ein neues Phänomen: Viele Unternehmen haben einst ihre Mitarbeiter ermutigt, möglichst viele AI-generierte Token zu verwenden ("token maxing"), was jedoch zu einer Überziehung der IT-Budgets führte, sodass jetzt günstigere Alternativen gesucht werden.
Im Detail zeigt sich dies wie folgt:
Immer mehr Unternehmen nutzen Open-Source-Großmodelle (insbesondere Open-Source-LLMs aus China) zur Bearbeitung grundlegender Anfragen; Auf fortschrittlichen Modellen wird eine "Orchestrierungsschicht" aufgebaut, sodass einfache Aufgaben zu Open-Source-Modellen ausgelagert werden, während komplexe Aufgaben frontale Modelle verwenden; Das Marktinteresse richtet sich darauf, wie Tokenanbieter diesen Trend im Berichtswesen darstellen und welches Guidance sie für das zweite Halbjahr 2026 geben werden.
Morgan Stanley kommt zu dem Schluss: Für die AI-Lieferkette stellt das zweite Quartal 2026 (Juni-Quartal) kein Problem dar, aber die Marktbesorgnis konzentriert sich auf die Auswirkungen günstigeren Tokenverkaufs auf die Guidance für die zweite Jahreshälfte.
Streitpunkt 3: Warum bleibt die Neubewertung nach Abschluss einer LTA aus?
Das Eingehen von langfristigen Kaufverträgen (LTA) sollte eigentlich als Katalysator für die Neubewertung von Speicheraktien wirken, doch die Reaktionen der Märkte bleiben zurückhaltend. Die Erklärung von Morgan Stanley lautet:Der Markt erinnert sich noch bestens: Frühere LTAs wurden entweder neu verhandelt oder zwangen die Kunden dazu, nicht benötigte Lagerbestände zu übernehmen (vergleichbar mit den Erfahrungen von Halbleiterunternehmen während COVID).
Natürlich gibt es auch die Sichtweise, dass aktuelle Speicher-LTAs eine strukturelle Bedeutung haben (statt zyklischer), sofern die AI-Nachfrage stark bleibt. Aberob die Gewinnerwartungen weiter nach oben angepasst werden können, stellt das größte Risiko für Investoren dar— insbesondere, wann und in welchem Ausmaß Speicherpreise weiterhin die Erwartungen übertreffen und die EPS-Perspektive für 2028 anheben, bleibt zeitlich äußerst unsicher.

Veränderungsrate erreicht den Gipfel: Drei Dimensionen steigen synchron zum Höchstpunkt
Morgan Stanley stellt eindeutig fest, dass die Speicherbranche den „Höhepunkt der Veränderungsrate“ (peak rate of change) erreicht, sichtbar in drei Dimensionen:
Jährlicher Preisanstieg (YoY pricing): Die jährliche Preiserhöhung von DRAM hat sich gegenüber dem ersten Quartal deutlich abgeschwächt und die pro Quartal erwarteten Anstiege werden weiterhin schrumpfen;
![]()
Lagerbestandsveränderung: Der Verbesserungsgrad beim Lagerbestandzyklus tendiert zur Stabilität;
EPS-Korrekturbreite: Die Bandbreite der Gewinnerwartungsanpassungen bei DRAM hat ein historisches Hoch erreicht (aktuell etwa 89%), der Spielraum für weitere Upgrades ist begrenzt.
![]()
Das Signal des „Veränderungsrate-Gipfels“ ist der zentrale Grund für die notwendige Phase der Konsolidierung bei Speicheraktien.
Bemerkenswert: Seit dem Aufkommen der generativen AI-Welle im November 2022 hat der Speichersektor drei zyklische Rücksetzer erlebt (jeweils infolge des USA-Iran-Konflikts -15 %, Gewinnmitnahmen nach starkem Anstieg -32 %, am sogenannten "Gegenseitigen Zolltag" -20 % sowie aktuell etwa -17 %). Morgan Stanley bewertet diese Rücksetzer alsnormale Korrekturen im strukturellen Bullenmarkt, nicht als Beginn eines Bärenmarktes.
Gleichzeitig stellt Morgan Stanley fest, dass der aktuell direkteste Druck auf den Speichersektor von derPositionsebene stammt, nicht von fundamentalen Einbrüchen.
Speicheraktien gehören zu den am konzentriertesten gehaltenen Sektoren am Markt.Die jüngst gestiegene Volatilität erschwert die Aufrechterhaltung eines historisch hohen Nettoexposures zunehmend – selbst bei „steigenden Spotpreisen und gleichzeitig zunehmender Volatilität“ wird diese Dynamik immer deutlicher. In der vergangenen Woche äußerten zahlreiche Investoren gegenüber Morgan Stanley hohe Sensibilität für dieses Muster und großes Interesse an der Erschließung von „Opportunitys in stagnierenden Sektoren“ (broadening laggard opportunities).
Die jüngste Schwäche bei Aktien von Hyperscalern könnte ein führender Indikator dafür sein, dass Speicheraktien (als Kernprofiteure der AI-Ausgaben) dem Gesamtmarkt bald hinterherlaufen. Aus saisonaler Sicht stellt das aktuelle Zeitfenster für den Gesamtmarkt zudem eine relativ schwierige Phase dar.
Abschließend stellt Morgan Stanley klar: In der jetzigen Phase beeinflussen die Statements der Hyperscaler in den Finanzberichten die Kursentwicklung deutlich mehr als die Kommentare des Managements der Speicherunternehmen selbst– denn die Speicherunternehmen werden sich in dieser Zyklusphase wahrscheinlich weiterhin optimistisch äußern.
Für die AI-Ausgaben-Seite kann der „Token-Maximierungs-Effekt“ die Ergebnisse des 2Q26 unterstützen, jedochwird die Guidance für 3Q26, sofern sie unter den Markterwartungen liegt, zum nächsten wichtigen Diskussionspunkt– Optimierung des Tokenverbrauchs, Konkurrenz durch günstige Open-Source-LLMs und „Chipflation“ (chipflation) könnten die Gewinnmargen zusätzlich belasten und stellen potenzielle Abwärtsrisiken dar.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Haftungsausschluss: Der Inhalt dieses Artikels gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder und repräsentiert nicht die Plattform in irgendeiner Form. Dieser Artikel ist nicht dazu gedacht, als Referenz für Investitionsentscheidungen zu dienen.
Das könnte Ihnen auch gefallen
Fünf Hauptfaktoren wirken zusammen: JPMorgan – Eine globale Nahrungsmittelkrise könnte im nächsten Jahr ausbrechen
JPMorgan warnt, dass aufgrund der fünf Faktoren Krieg, Wetter, Lagerung, Wasserressourcen und Verschwendung eine globale Nahrungsmittelkrise in der ersten Jahreshälfte 2027 ausbrechen könnte. Es wird erwartet, dass die weltweite Lebensmittelinflationsrate von 2,8 % im ersten Halbjahr 2026 auf 5 % im ersten Halbjahr 2027 ansteigt. Das Zusammentreffen eines Super-El Niño mit einem Energiepreisschock wird den Nahrungsmittel-CPI zusätzlich um etwa 1,5 Prozentpunkte erhöhen, wobei Schwellenländer wie Indien, Indonesien und Brasilien besonders stark betroffen sind.

Hinter dem KI-Schuldenboom: 70 Milliarden US-Dollar an außerbilanziellen, versteckten Verbindlichkeiten wecken Sorgen bei Anleiheinvestoren
Mit der Ankündigung von Nvidia über 500 Milliarden US-Dollar an AI-Finanzierungskooperationen sind die Sorgen des Anleihemarkts über etwa 70 Milliarden US-Dollar außerhalb der Bilanz stehender Schulden von AI-Unternehmen abrupt angestiegen. Diese Struktur ermöglicht es Chip-Giganten wie Nvidia und Broadcom, für die Verbindlichkeiten ihrer Kunden zu bürgen, ohne diese Verbindlichkeiten in ihre eigenen Bilanzen aufzunehmen. Mehrere Institutionen warnen, dass dies eine prozyklische Finanzkonstruktion ist und bei einem Abschwung der Branche erhebliche Risiken auf einmal auslösen könnte.

