Bitcoin ist auf maximale Knappheit programmiert. Anders als bei klassischen Währungen entscheidet keine Zentralbank über neue Einheiten. Stattdessen legt der Code fest, dass Miner für neue Blöcke Bitcoin erhalten, diese Belohnung aber etwa alle vier Jahre halbiert wird. Dadurch sinkt die neu entstehende Menge stetig. Am Ende können nie mehr als 21 Millionen BTC existieren.
Genau diese algorithmische Knappheit ist ein Kernargument der Bitcoin-Bullen: Das Angebot ist vorhersehbar, politisch schwer veränderbar und damit das Gegenmodell zu inflationären Fiat-Währungen. Doch genau diese heilige Grenze stellt Eli Ben-Sasson nun infrage.
Zcash-Gründer fordert neue Bitcoin-Geldpolitik: 4 Prozent pro Jahr statt 21-Millionen-Grenze
Eli Ben-Sasson, Mitgründer von Zcash und CEO von StarkWare, sorgt mit einer provokanten These für Diskussionen. Aus seiner Sicht ergibt die fixe Obergrenze von 21 Millionen Bitcoin langfristig keinen Sinn. Der Grund: Über die Zeit gehen private Schlüssel verloren. Wer seine Wallet-Zugänge verliert, kann die dazugehörigen BTC nie wieder bewegen. Diese Coins bleiben zwar technisch Teil des Angebots, sind wirtschaftlich aber aus dem Umlauf verschwunden. Genau hier setzt Ben-Sassons Kritik an. Er argumentiert, dass mit zunehmender Zeit immer mehr Bitcoin unzugänglich werden könnten. Auf einen unendlichen Zeitraum gedacht, würden irgendwann theoretisch alle Schlüssel verloren gehen. Damit schrumpft die effektiv nutzbare Bitcoin-Menge immer weiter.
🔥ZCASH CO-FOUNDER: BITCOIN SHOULD REMOVE 21M SUPPLY CAP AND GROW 4% PER YEAR
Eli Ben-Sasson said Bitcoin’s 21M cap “doesn’t make sense because as time goes to infinity, all keys will be lost.”
He suggested 4% annual issuance tied to population growth to ensure “there’s enough… pic.twitter.com/ZL1cAdmFMV
— Coin Bureau (@coinbureau) July 8, 2026
Sein Vorschlag: Bitcoin sollte die harte 21-Millionen-Grenze aufgeben und stattdessen eine jährliche Ausgabe von bis zu 4 Prozent erlauben. Diese neue Emission soll nach seiner Argumentation nicht willkürlich inflationär sein, sondern an das Bevölkerungswachstum beziehungsweise eine wachsende Weltwirtschaft angelehnt werden. So solle sichergestellt werden, dass langfristig genug Bitcoin „im Umlauf“ bleiben und das Netzwerk nicht unter einer immer weiter sinkenden verfügbaren Menge leidet.
Zcash Co-Founder Challenges Bitcoin's Supply Cap…
Eli Ben-Sasson proposes a 4% annual $BTC issuance to replace the 21M hard cap so there is enough to go around.
What do you think? https://t.co/Qtu92qSwcn pic.twitter.com/JQmKAf9UQ8
— BSCN (@BSCNews) July 8, 2026
Brisant ist der Vorschlag auch, weil er einen zentralen Glaubenssatz von Bitcoin angreift. Für viele Anleger ist gerade die unveränderliche Knappheit der wichtigste Werttreiber. Würde Bitcoin die 21-Millionen-Grenze aufweichen, könnte das Vertrauen in die Geldpolitik massiv leiden. Kritiker verweisen zudem darauf, dass Bitcoin hochgradig teilbar ist: Auch wenn ganze BTC knapp werden, lassen sich Satoshis weiterhin nutzen. Zudem wäre eine solche Änderung praktisch extrem schwer durchsetzbar, da sie breite Zustimmung von Nodes, Minern, Entwicklern und Nutzern bräuchte.
Ben-Sassons Idee ist damit weniger ein realistischer kurzfristiger Reformplan, sondern vor allem ein Angriff auf eine Grundannahme: Ist absolute Knappheit für Bitcoin immer ein Vorteil – oder könnte sie langfristig selbst zum Problem werden?
Zcash-News: Project Tachyon soll Vertrauen nach Orchard-Bug wiederherstellen
Derweil gibt es bei Zcash neue technische Fortschritte. Im Mittelpunkt steht Project Tachyon, das nach dem jüngsten Orchard-Bug nun helfen soll, das Vertrauen in die geschützten Zcash-Pools wieder aufzubauen. Der Hintergrund: Im Orchard-Pool wurde zuletzt eine Counterfeiting-Schwachstelle entdeckt. Diese wurde zwar per Netzwerk-Upgrade geschlossen, und die Entwickler gehen davon aus, dass sie nicht ausgenutzt wurde. Das Problem liegt jedoch in der Natur von Privacy-Coins: Weil Transaktionen und Beträge in Shielded Pools verborgen sind, lässt sich ein solcher Fehler im Nachhinein nicht so einfach öffentlich beweisen oder widerlegen.
THE BLOCK: Zcash founder Zooko Wilcox said Project Tachyon is close to mathematically proving there are no counterfeiting bugs in Zcash's latest shielded pools.$ZEC is up nearly 13% on the day following the update. pic.twitter.com/0iYcoH3aao
— The Block (@TheBlockCo) July 7, 2026
Genau hier setzt nun Ironwood an. Der neue Shielded Pool basiert zwar auf Orchard, startet aber mit gepatchtem Design und soll durch einen sogenannten Turnstile-Mechanismus zusätzliche Nachweise ermöglichen. Wenn Nutzer ihre Coins von Orchard zu Ironwood migrieren, kann dies helfen, die Integrität der Umlaufmenge besser abzusichern. Gleichzeitig sollen Zahlungen innerhalb des alten Orchard-Pools deaktiviert werden, um eine Obergrenze für die zirkulierende ZEC-Menge zu schaffen.
Besonders spannend ist die Aussage von Zcash-Gründer Zooko Wilcox: Project Tachyon sei nahe daran, einen mathematischen Beweis zu liefern, dass die neuesten Shielded Pools keine undetektierbaren Counterfeiting-Bugs enthalten. Formal Verification soll also nicht nur Code prüfen, sondern die zugrunde liegende kryptografische Spezifikation mathematisch absichern. Laut Tachyon können moderne Tools wie Lean sowie KI-gestützte Verfahren diesen Prozess deutlich beschleunigen.
Für ZEC ist das kurzfristig ein wichtiger Stimmungsfaktor: Der Kurs sprang nach den Meldungen zeitweise über 500 US-Dollar.
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Zuletzt aktualisiert am 8. Juli 2026




